Der erste Morgen im neuen Hotel startet sonnig – sowohl im Gemüt als auch am Himmel. Schon vom Bett aus zeigt der Blick durchs Fenster nichts als schönstes, strahlendes Blau. Entsprechend motiviert schwingen wir die Beine aus dem Bett, stehen wenige Minuten später an der Kaffeemaschine und schleppen 2 dampfende Becher Richtung Entree. Die gemeinsame erste Tasse ist daheim ein ebenso heiliges Ritual wie hier – aber im Urlaub schmeckt dieser erste Kaffee einfach doppelt gut, ganz besonders wenn wir ihn mit Sonne im Gesicht genießen können.

Die Motivation der ersten Momente ist noch nicht abgeebbt und so schnallt sich Paul seine flammneuen, ebenso unerwartet wie glückreich im Outlet erbeuteten Laufschuhe an die Füße – Er kann es nicht erwarten sie auszuprobieren. So gerne ich ihn auf seiner allerersten Runde durch den benachbarten Golfplatz begleitet hätte – Für heute muss ich noch abwinken. Meine Rüsselpest ist zwar merklich auf dem Rückzug, aber so 100% fit ist der Kadaver noch nicht. Daher ziehe ich es vor, eine ausgiebige Runde durch Dusche und Bad zu drehen, Haare inklusive. Die Ladies wissen wovon ich rede…. Das ist ja nun mal nicht in 5 Minuten erledigt *seufz*.

Nach einem ausgiebigen Frühstück im lichtdurchfluteten Speisesaal müssen wir nicht lange überlegen, was das Tagesprogramm für uns bereit hält. Es ist der allererste, richtige Tag in Spuckweite zur Küste – zwar nur ein kurzer, eintägiger Aufenthalt auf der Passage nach Norden, aber sei´s drum: Heute wird der Strand in Beschlag genommen. Der ist an diesem Küstenabschnitt schier endlos und wir freuen uns schon seit Tagen auf einen langen Spaziergang. So dauert es nicht lange bis wir den Motor anlassen und über die eindrucksvolle North-Topsail-Bridge auf die benachbarte Halbinsel übersetzen.

Dort angekommen, tuckern wir erst einmal komplett nach Süden. Die Fahrt durch die endlose Aneinanderreihung beinahe schamlos schöner Strandvillen ist jedes Mal wieder ein Vergnügen. Ich selbst habe in dieser Gegend schon zwei wundervolle Urlaube verbracht und weiß um die Schönheit der hier so typischen Stelzenhäuser. Wir durchfahren das Gebiet einmal komplett von Nord nach Süd bevor wir umdrehen und einen Parkplatz suchen, von dem aus wir den Walk starten können. Gar nicht so einfach – Seit meinem letzten Aufenthalt vor 3 Jahren scheinen die Locals auf den Geschmack von Einnahmen aus Parkgebühren gekommen zu sein. Wo früher noch jeder Beach Access mit einem kleinen kostenlosen Parkplatz ausgestattet war, bitten QR Codes um einen Obolus per App. Gut, dass ich – in meiner Erinnerung kramend – noch einen kleinen Secret Spot finde, der auch heute noch kostenfrei zu beparken ist.

Wir stellen den Boliden ab, legen noch einmal Sonnencreme nach und tauschen Sneaker gegen Flip Flops. Schon beim Öffnen der Wagentür umgibt uns der salzige Geruch und das wundervoll monotone Rauschen des Atlantik. Zügig nehmen wir die paar Schritte über eine alte Holzbrücke zum Strand, ungeduldig endlich das Meer und den Horizont zu sehen.

Es ist immer wieder ein unbeschreibliches Gefühl, wenn der feine Sand zum ersten Mal zwischen den Zehen kitzelt. Die Luft ist warm und erfüllt vom ungebändigten Donnergrollen der Brandung. Die letzten Tage vor unserer Ankunft hat hier ein ordentliches Unwetter gewütet und die Spuren sind nicht zu übersehen. Die See ist noch immer aufgewühlt. Große weiße Schaumkronen werden recht garstig von den Wellen umhergeschubst, als wäre das Wasser nachtragend angesichts der Unruhe der letzten Tage. Der Strand selbst ist (wie so oft in dieser Region) über etliche Kilometer beinahe menschenleer – aber allerhand Treibholz, Muscheln und sonstiges, glücklos angeschwemmtes, Meeresgetier von mitunter beachtlicher (ehemaliger) Größe bevölkert den Boden. Eine kleine Schneise überschaubarer Verwüstung markiert den Verlauf der gut sichtbaren, bis an den Rand der Dünen reichenden Wasserlinie der vergangenen Nächte.

Wir wenden uns Richtung Süden und laufen eine Weile staunend nebeneinander her. Die Reste des Vormittag ziehen beinahe unbemerkt an uns vorüber, die Sonne steht mittlerweile hoch am Himmel und weit hinten am Horizont ragen die knorrigen, hölzernen Pfeiler des „Jolly Rogers Pier“ aus dem Wasser – unser Tagesziel für heute. Alle Nase lang ertönt irgendein „Schau mal hier“ oder „Boah – guck mal da!“ Das Leben ist einfach unendlich schön!

Wir können beide nicht sagen, wie viel Zeit vergangen ist, aber es muss eine Menge gewesen sein bis wir das Pier erreichen. Unter die einsetzende Fußfaulheit mischt sich nämlich merklicher Bierdurst, als wir neben dem Pier vom Strand klettern. Umso größer ist die Enttäuschung, als wir feststellen müssen, dass es hier keine Bar zu entern gibt. Das Pier ist privat und den ortsansässigen Fischern vorbehalten. Unnötig zu sagen, dass da vier Mundwinkel für einen winzigen Moment eine Etage tiefer rutschen. Aber schlechte Stimmung hat ja bei uns von Haus aus eher schlechte Karten. Mund abwischen – weiter geht´s.

Zweimal links zwischen den Stelzenvillen abgebogen, stehen wir schon vor einem kleinen Strandgrill. Am schiefen Holzzaun angelehnt warten ein paar Surfbretter auf die Rückkehr Ihrer Besitzer, ein ausgeblichenes Holzschild in Pastell preist Essen & Getränke an und im Biergarten baut gerade eine Band ihren Live Act für den Abend auf. Die schattige Veranda bietet reichlich Platz und erscheint uns nach den letzten Stunden in der Mittagssonne wie Mekka. Wenig später verzieren zwei eiskalte Flaschen Bier den kleinen, verwitterten Holztisch zu unseren Füßen mit feucht glänzenden Ringen aus Kondenswasser. Was für ein herrlicher Ort für ein wohl verdientes Mittagspäuschen!

Es muss an der Dauersonne des Vormittags liegen, dass wir später den Rückweg mit einem kleinen Schwips antreten. Ich kann mich gerade noch beherrschen, dem blöden, privaten Pier nur die Zunge rauszustrecken und nicht noch einen Mittelfinger hinterherzuschicken. Die gespielte Empörung von Schatzi und ein kleiner Lachflash sollen noch nachhallen, als wir den langen Rückweg antreten.

Letzterer soll uns irgendwie deutlich länger vorkommen als der Hinweg. Es waren am Ende zwar nur 6 Kilometer – an unseren sonstigen Strecken gemessen jetzt nicht über die Maßen erwähnenswert – aber jeder Meter zählt ja bekanntlich doppelt, wenn man ihn im Sand zurücklegt. Zurück am Auto haben wir das Gefühl, dass das stundenlange Gehen in der Melange aus Sand und gemahlenen Muscheln uns die Fußsohlen wie ein gutes Peeling abgeschält hat und Sonne braucht für diesen Tag dann auch mal niemand mehr.

Was wir aber umso dringender brauchen, ist etwas zu Essen. Nach dem Frischluft-Overkill der letzten Stunden hängt uns der Magen beinahe bis auf die geschundenen Füße. Mit letzter Kraft krabbeln wir auf die Sitze des Wagens und machen uns auf den Weg, ein ordentliches Abendessen einzunehmen. Den Ort dafür haben wir bereits gestern auserkoren und so dauert es nicht lange, bis wir den Wagen auf dem Parkplatz einer lokalen Brauerei mit dem klamgvollen Namen „Voodoo-Brew“ zum Stehen bringen.

Das Angebot ist vielfältig, die Bierauswahl umfassend endlos und die Bedienung superfreundlich. So vergeht der Abend glückselig mümmelnd, bei Coconut-Shrimps, Pizza und zwei eisgekühlten Hopfenkaltschalen. So kurz dieser Aufenthalt in Surf City auch gewesen sein mag – so wundervoll war er auch. In jeder Facette definitiv #MEMORABLE ❤️

Veröffentlicht von neckimessergabel

*underconstruction*

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