Es ist soweit. Der Abreisetag bricht mit einem äußerst ungnädigen Weckerklingeln an. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, bis Montag Abend alles fertig zu haben und heute nur noch ein bisschen Sport zu machen bevor es losgeht. War natürlich Pustekuchen. Die ToDo Liste reicht immernoch von hier bis zum Mond, an Sport ist nichtmal im Entferntesten zu denken und mein Magen fühlt sich vor lauter Aufregung an wie getrocknete Playdo-Knete.

Der Vormittag rast mir nur so durch die Finger und gefühlt einen Augenblinzeln nach dem Aufstehen ist es Zeit für die Dusche damit ich mich rechtzeitig in meinen Reisestrampler, bestehend aus der wenig ansehnlichen aber dafür unverwüstlichen „Engelbert Strauss“-Hose und den dicken Wanderboots schmeißen kann. Für die sommerlichen Münchner Temperaturen jetzt zugegeben nicht das beste Outfit – aber die Schuhe sind zu schwer für den Koffer und die Hose zu voluminös. Im Flieger werd ich auf etwas bequemeres Wechseln – aber jetzt muss ich erstmal los, nicht ohne 36 Mal zu überprüfen ob alle Dokumente am Start und alle Fenster zu sind.

Ich habe das große Glück, dass mich ein Freund zum Flughafen fährt. Eine Sorge und eine ungemütliche Taxifahrt weniger. Läuft alles wie am Schnürchen. Die Notwendigkeiten (Koffer aufgeben, Security, Kippen im Duty Free, Passkontrolle) sind schnell erledigt und so kann ich mich noch ein wenig in der Lufthansa Lounge rumflätzen – Status sei Dank geht das trotz Premium Eco (Auf die ich übrigens sehr gespannt bin, weil noch nie geflogen…).

Nach einem letzten Telefonat mit Mama meldet sich dann doch mal mein Magen zu Wort und protestiert gegen die ausgefallene Mahlzeit am Vormittag. Es ist mittlerweile weit nach Mittag und ein großer Teil der Aufregung und inneren Unruhe sind nach problemloser Abhandlung aller Formalitäten von mir abgefallen – Ergo: Ich habe Hunger bis unter beide Arme. Erstmal was essen.

Während ich da so zufrieden vor mich hinkaue nehme ich zum ersten Mal bewusst wahr, welches Programm auf den großen Monitoren vor meiner Nase übertragen wird. Auf irgendeinem Dauer-Nachrichtensender läuft eine Folge „Mayday“ – eine Doku über die schlimmsten Passagier-Flugzeugabstürze der Geschichte. Ich muss beinahe losprusten – und kann nur mit Mühe vermeiden, dass mir die Tomatensuppe samt Reis gleich wieder durch die Nase kommt. Gut, dass ich mit Flugangst kein Geschiss am Start hab. 1A Lufthansa. Genau mein Humor!! Darauf gibt‘s erstmal noch ein Extra-Gläschen Schampus, bevor ich dann auch wirklich langsam zum Gate muss.

Das Boarding startet mit guten 30 Min. Verzug deutlich verspätet. Hier bin ich einmal mehr froh, bei der letzten Diskussion mit Sparbüchse Else nicht nachgegeben zu haben. Auf privaten Langstrecken sind Direktflüge für mich nicht verhandelbar – auch wenn die immer etwas teurer sind. Aber in so einer Situation wie hier, nicht unter Stress zu stehen, ggf. einen Anschluss zu verpassen ist mir persönlich unbezahlbar.

So kann ich mich dann auch wenig später an Bord entspannt in meinen Sitz sinken lassen. Fußraum ist hier wirklich reichlich, der Sitz selbst ist breit, gut verstellbar und bequem, die Filmauswahl auf dem sehr großen Bildschirm ist brauchbar und so schlüpfe ich äußerst angetan noch schnell in Leggins und Latschen, bevor die Stewardess (gefangen im Körper eines Stewards) verkündet, dass das Boarding „Completed“ sei. Mein Grinsen wird noch erheblich breiter, denn somit bleibt der bis dato freie Platz neben mir auch wirklich frei. Schwein muss man haben.

In der Speisekarte beweist die Lufthansa einen ähnlichen großartigen Humor wie bei der Programmauswahl in der Lounge: Das vorliegende Menü wird bestimmt von Kohl, Bohnen oder (wie bei meiner Wahl) einem Zwiebelkompott. Ich nehme an, der Antrieb wird irgendwo über Kanada dann umgestellt von Kerosin auf Biogas aka Passagierfurz….

Die 11h Flug vergehen *Achtung – Schenkelklopfer* wie im Flug. Der erste Film vergeht beim Essen, die folgenden 2 verschlafe ich komplett und beim 4. gibts dann schon den „Vorlandungssnack“ – wieder was mit (Blumen)Kohl btw…

Der Landeanflug gibt alsbald den Blick auf Seattle frei – und auf jede Menge grünen Nadelwald. Hübsch schaut es aus..! Allerdings werde ich hier ja nicht bleiben. Für mich geht es gleich sofort raus aus der Stadt. Wer vllt. schon den ein oder anderen Artikel gelesen hat weiß, dass ich die großen Städte hier drüben nicht mehr wirklich brauche und wenn es geht gerne einen Bogen drum mache. So auch heute.

Aber erstmal wieder Formalitäten – die gehen aber schnell. Das hier ist mit Abstand der angenehmste, aufgeräumteste und vor allem leerste Flughafen, den ich in den Staaten je gesehen habe.

Abzüge in der B Note gibts aber trotzdem, und zwar für den Shuttle-Bus zu den Rental cars *kotz* Aber keine 20 Minuten später soll ich dafür wirklich fürstlich entschädigt werden. Ich hatte zwar im Vorfeld explizit einen Dual-Cabin-Pick-Up gebucht, aber die Blechschubser lassen sich ja nie auf ein Modell festlegen.

Umso mehr erfreut bin ich, als mir ein „Dodge“ Schlüssel in die Hand gedrückt wird. Als ich die vermerkte Parklücke erreiche schaue ich mich um, ob das auch ja kein Scherz ist.

Vor mir glänzt eine silbergraue Schrankwand. Ein RAM – aber nicht irgendeiner. Nope! Was da auf mich wartet und mir enthemmt zuzuzwinkern scheint ist nichts weniger als ein 2.500er „Heavy Duty“: Großvolumiger V8, Allrad mit Untersetzung – zu allem großartigen Überfluss auch noch in der „Bighorn“ Edition (quasi sowas wie das Viehzüchter-Äquivalent einer Luxus-Ausstattungs-Pakets). Ich muss mich beinahe selber kneifen.

Else, die alte Spielverderberin, tönt natürlich erstmal direkt lautstark irgendeinen Protest, von wegen dass die Vorab-Kalkulation der Spritkosten mit dem V8 betriebenen Benzinstrudler jetzt irgendwie bestenfalls ein Fall fürs Altpapier sei. „Leider“ dringt diese Art Gemaule gerade überall hin – aber sicher nicht in den aufnahmebereiten Teil meines Gehörgangs. Somit erntet die Arme in diesem Moment damit nicht mehr als ein ebenso schlichtes wie finales „Schnauze!“

Gepäck einladen, Telefon koppeln, Route einstellen, die 8 Turbinchen fluten und los gehts…! Auf zur letzten Etappe für heute.

Es warten noch 120 Meilen und damit gut 2h auf der Interstate, bis ich endlich duschen und in mein Bett fallen darf. Bevor es aber wirklich losgehen kann, muss ich noch an die erstbeste Tanke – mein Suchtgetränk darf nicht fehlen. Der erste, eiskalte Schluck ist wie üblich eine Offenbarung. Die Laune wird einfach immer noch weiter gesteigert – und das souverän glucksende Monster trägt seinen erheblichen Teil dazu bei.

Die letzten Meilen ziehen sich. Ich werde müde und hier am Rande der Rocky Mountains ist es mittlerweile dunkel wie im Hühnerarsch. Aber bald meldet das Navi die Abfahrt und ich kann schon von weitem das Schild meines Hotels leuchten sehen.

Da mir im Vorfeld klar war, dass ich hier grob geschätzt nach der Anreise 5 Minuten verbringen würde, bevor mir die Augen zufallen und ich in der Früh gleich weiter muss, habe ich mich für ein eher einfaches Hotel entschieden. Ein „Sure Stay“ – quasi die günstige Submarke meiner sonst in den USA so hart gefeierten „Best Western“ Hotels. Auf die Nacht bin ich also recht gespannt.

Kann dann auch losgehen. Nach insgesamt 22h Anreise wär ich dann jetzt auch durchaus bettfertig….

Veröffentlicht von neckimessergabel

*underconstruction*

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  1. Avatar von wilhelmlessmann

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