Die nächsten 2 Tage – und eigentlich der ganze Rest der Woche – vergehen wie im Flug. Am Sonntag muss ich leider schon wieder meinen Sermon vor den nächsten Gruppen vortanzen. Und während ich somit wieder „anne Schüppe“ muss, geht Maddy nochmal auf eigene Faust die Stadt erkunden. Die Aufteilung passt sehr gut, rede ich mir zumindest Morgens ein – denn für so ganz klassisches Kulturprogramm a la „Kunst & Königshäuser“ bin ich ja nicht unbedingt so 100% zu haben.
Nachdem ich jedoch in meinem Traningsraum in die ersten muffigen Gesichter Blicke wird mir im Bruchteil einer Nanosekunde klar: Jedes noch so puristisch-futuristische Gemälde unter dem Titel „Ist das Kunst oder kann das weg..?“ wäre besser gewesen als … das hier.
Aber „it is what it is“ und jammern hilft angesichts anstehender Pflichten bekanntlich wenig. Aber die Aussicht auf den Abend versüßt mir den Tag erheblich. Mit einem engelsgleichen Augenaufschlag habe ich mich nämlich nochmals vom Business-Dinner freistellen lassen. Somit ist jeder Weg geebnet um mir Maddy nochmal eine herrliche Ladies Night zu verbringen.
Und auch heute enttäuscht Ihr Händchen für tolle Läden wieder nicht. Als wir das Restaurant betreten staune ich angesichts der Aufmachung der Räumlichkeiten. An Deko und Atmosphäre wurde hier wirklich nicht gespart.

Als wir unsere Plätze einnehmen, dauert es nicht lange, bis wir Sangria als Getränk des Abends ausgewählt haben. Genau das haben wir in den letzten Tagen hier nämlich noch nicht geschafft. Das Gesöff wird wenig später auch sogleich serviert. Gebindegröße: Blumenvase. Die Eiswürfel klirren herrlich beim Einschenken und der erste Schluck ist eiskalt, fruchtig und rundum großartig. Obacht ist geboten – das Zeuch könnte gefährlich werden….!

Das Essen dauert etwas, denn *schockschwerenot* die Küche hat noch gar nicht auf…!! Da wir am Verhungern sind schenken wir dem Maitre bei der Verkündung diese bösen Nachricht nicht mehr als einen verzweifelten Blick. Das beschleunigt zwar nicht den Koch – hat aber zur Folge, dass der angesichts unserer nun deutlich hervortretenden Zornesfalten ziemlich bedröppelt dreinschauende Kellner unsere Bestellung immerhin schonmal aufnimmt, damit sie dann auch ja die Erste ist, die zubereitet wird. Braver Junge. Die Wartezeit bis dahin versüßen wir uns mit der alkoholschwangeren Fruchtkaltschale.
2h später verlassen wir den hübschen Laden. Vollgefressen, leicht angebrütet und dezent müde schnappen wir uns das erste Taxi und sinken alsbald mit dem Gesicht voran in unsere Betten.
Am nächsten Morgen ist für Maddy zu einer sehr unchristlichen Zeit „Abreise“ angesagt. Als sie das Hotel und wenig später die Stadt verlässt bin ich noch im Bett. Mir dämmert, dass die kommenden Tage weniger freudvoll werden als jene in Maddys Begleitung. Beim Aufstehen wird mir klar, dass ich für die letzte Etappe dieser Reise nochmal ein paar Kräfte mobilisieren muss. Ich gebe zu: Ich bin müde. Und zwar weit weg von nur „ich wische mir den Schlaf aus den Augen und trinke Kaffee dann geht´s schon“ müde – sondern müde bis ins Mark. Die letzten Monate und vor allem die letzten 10 Tage haben alle Reserven aufgebraucht. Und trotzdem schwinge ich die Beine aus dem Bett und starte den ersten Tag der verbleibenden knappen Woche dezent unmotiviert. Erst im Auto, nach Sport, Dusche und 3 Tassen Kaffee lichtet sich der Nebel in meinem Kopf. Ich drehe die Musik auf, öffne das Fenster und sauge die kalte Novemberluft ein.
Die Woche vergeht einmal mehr im Einerlei. Irgendwann ist Donnerstag – und das heißt: Die letzten Gruppen sind am Start. Ich arbeite die letzten Vorträge mit mittlerweile entsprechender Routine ab und kann es kaum glauben, als die letzte Runde abgeschlossen ist. In meinem Kopf läutet Else einen lauten Schluss-Gong. Ich ziehe mir einen Kaffee, setze mich in der abendlichen Dämmerung draussen auf die Stufen vor dem Gebäude, zünde mir eine Zigarette an und atme ein paar Mal tief ein und aus. Geschafft..!
Später im Hotel sitzen wir in gewohnter Trainerrunde noch einmal bei einem Abschlussbier zusammen. Alle sind ausgelassen und froh, dass unsere Arbeit hier erfolgreich war, aber nun beendet ist. Es ist klar, dass es nicht bei einem Bier bleibt. Als wir später den Tisch verlassen gleicht der einem Schlachtfeld von Dosenbiersoldaten. Allesamt dahingerafft von der Ausgelassenheit der Runde.

Man verabschiedet sich und geht seiner Wege. Wir haben alle unterschiedliche Flüge gebucht – und so kommt es, dass ich am nächsten Morgen früh und alleine im Taxi sitze. Auf dem Weg zum Flughafen lasse ich den Blick aus dem Fenster schweifen. Zum allerersten Mal auf einer Reise bin ich sicher: Hier muss ich definitiv NICHT nochmal hin. Diese Stadt und Ihre Bewohner waren irgendwie nichts für mich. Und ebenfalls zum ersten Mal seit sehr langer Zeit freue ich mich wirklich und ohne ein weinendes Auge auf zu Hause.
Was noch ein wenig warten muss… der Flug ist verspätet. Auch das noch! Blöd. Vor allem, weil ich daheim genau 2 Stunden Puffer habe, bevor Freunde aus Berlin übers WE anreisen. Dieser Puffer wird nun schön von der Lufthansa aufgefressen. An Bord falle ich sofort in einen tiefen Schlaf, der erst beendet wird, als der Pilot die Mühle mit einem ordentlichen Scheppern auf der Landebahn in München aufsetzt. Entsprechend durchgeschüttelt wanke ich verschlafen durch die Passkontrolle zum Kofferband. Aber immerhin erwartet mich Clyde in der Ankunfthalle und meine Freude, wieder hier zu sein könnte für den Moment kaum größer sein.
Bye Bye Madrid…!
Deine Bekanntschaft zu machen war …. Letztlich zumindest interessant und somit auch irgendwie #MEMORABLE