CHAPTER 2 – A glimpse of the desert life

Eigentlich hätte Lancaster / Palmdale ja nur eine Durchgangsstation für eine Nacht sein sollen. Der ursprüngliche Plan war, gleich am Morgen weiter in die Tiefen des „Death Valley“ zu fahren und dort zu nächtigen. Nachdem dort jedoch vor wenigen Tagen ein kleines Unwetter gewütet hat, fiel dieser Plan buchstäblich ins Wasser. Sturmtief „Hillary“ war nämlich so nett, die Ranch, auf der ich mitten im Death Valley hätte übernachten wollen, wegzuspülen. So ein Mist – war doch genau diese Übernachtung eine von denen, auf die ich mich am meisten gefreut hatte. Und noch ein größerer Mist, dass „Hillary“ auch gleich in einem Streich die Straßen, über die ich in Vegas hätte einfallen wollen, unpassierbar gemacht hat. Mein ganzer schöner Plan also: Pulverisiert. Oder besser gesagt … liquidiert.

Mit diesem Wissen hatte ich schon im Vorfeld umgebucht und Palmdale auf 2 Nächte verlängert. Daher auch das umständlich mehrfache hin- und hergeballere aus dem Norden über die Berge nach L.A. – hätte ich das früher gewusst, wär ich näher an L.A. geblieben. Anyway – war nicht der Plan, war aber so auch ganz geil. 😅

Am späten Vormittag belade ich den Truck und mache mich auf, die erste wirkliche Etappe zu starten. Das heutige Tagesziel: Las Vegas. Dort werde ich am Abend meine Eltern am Flughafen einsammeln. Die nächsten 1,5 Wochen verbringen wir nämlich zusammen „on the road“. Das ich das einmal erleben darf, hätte ich mir auch nicht träumen lassen…! Also noch ein paar Liter Sprit in den Boliden gluckern lassen (Kraft kommt von Kraftstoff) und ab dafür..!

Bevor ich die Beiden in die Arme schließen kann, muss ich nämlich grob 4h Fahrt über die Interstate durch karges Wüstengebiet hinter mich bringen. Aber der Kaffee ist heiß und herrlich stark, die Kühlbox ist gut bestückt und die Tasche mit allerlei Snacks wölbt sich bauchig auf dem Beifahrersitz. Ich ziehe mein Cap tief ins Gesicht, drehe die Musik auf und genieße alsbald einen atemberaubenden Blick in die hier so typische Weite und auf die Bergketten im Süden.

Hier und da frage ich mich, was Leute bewegt in so ein einsames und unwirtliches Gebiet zu ziehen. Nichts als gleißende Sonne, jede Menge Staub und Käfer in den merkwürdigsten Formen und Farben. Zum Durchfahren: Herrlich. Zum Leben: Ich weiß ja nicht…?!

Anyway. Die farbenfrohen Auswüchse der offensichtlich allgegenwärtigen, trägen Langeweile bescheren mir hier und da ein paar gute Bilder.

Derlei optisch angereichert vergeht die Fahrt schlussendlich dann doch wie im Flug und ganz plötzlich taucht hinter einer Anhöhe die Skyline des Las Vegas Boulevard (besser bekannt als „the Strip“) auf. Die mitunter abenteuerlichen Formen und gläsernen Fassaden der dicht gedrängten Hochhäuser glitzern verheißungsvoll im Sonnenlicht und verleihen diesem weltweit wohl einzigartigen Ensemble sein absolut atemberaubendes Antlitz.

Kaum vom Highway abgefahren stecke ich direkt in der hier so typischen Blechlawine, die Tag und Nacht den Strip verstopft. Mein Hotel in form eines dezent überdimensionierten Disney Schlosses ist schon von weitem nicht zu übersehen.

Ich parke den Wagen, schnappe meine Koffer und watschel zum Check-In. In der Lobby empfängt mich sofort die Casino-Geräuschkulisse mit ihrem typischen Mix aus lauter Musik (1.000 Titel gleichzeitig – aus jedem Automaten ein anderer), Game-Geklimper und dem Neon- und Lichteffekten aus gefühlt 200.000 Bildschirmen und Spielautomaten. Schlaganfall-Risiko-Patienten dürften hier echt schlechte Karten haben.

Ein paar Minuten später habe ich den Gewaltmarsch zu meinem Zimmer hinter mich gebracht. Leck mich am Arsch – sind das Entfernungen hier. Das Zimmer hinterlässt einen eher unschönen Eindruck. Kühlschrank rausgerissen. Kein Safe. Kein Duschgel. Was für eine abgerockte Drecksbude. Macht aber alles nix. Ich bin da grundsätzlich wenig anspruchsvoll (wenn es nur für eine kurze Nacht auf der Durchreise ist) und immerhin gibt‘s im 23. Stock ein wenig Aussicht.

Ich muss auch schon bald wieder los zum Flughafen. Der Vogel, mit dem Mama und Papa aus New York ankommen, wird bald landen.

Ich stehe pünktlich bereit als die beiden ankommen und dann geht‘s erstmal los. Mit meiner Annahme, die Beiden würden um kurz nach 22 Uhr nach einem langen Reisetag nix mehr brauchen, lag ich weit daneben. Nur schnell das Gepäck ins Hotel und dann gibts erstmal den obligatorischen Strip Cruise und danach gleich noch einen Besuch bei „In-N-Out-Burger“ – gegen das gefürchtete „Mitternachts-Hüngerken“.

Als ich die Beiden schlussendlich wieder am Hotel absetze, klettert mein Vater etwas ungelenk aus dem Truck. Das wenig elegante Gerutsche Richtung Gehweg wird nur trocken kommentiert mit „Meine Güte – da krieg ich ja n Dammriss“ – worüber ich den ganzen Weg zurück in mein Hotel immer wieder laut lachen muss.

Um weit nach 01:00 bin ich endlich im Bett – und es dauert keine 2 Sekunden bis mir die Augen zufallen. Der Auftakt zum gemeinsamen Teil der Reise war also durchaus brauchbar.

#MEMORABLE

Veröffentlicht von neckimessergabel

*underconstruction*

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