Am Morgen plagen mich die ersten Anzeichen einer Erkältung. Auch wenn ich auf dieser Reise dank einiger Erfahrung nicht mal mehr davon ausgegangen bin, bei 11h im Flieger ohne eine Solche davon zu kommen, so ärgert es mich dennoch. Denn heute steht der ….. wohl eindrucksvollste? … Tag auf dem Plan. Es geht einmal quer durch den Yellowstone National Park und vorbei an etlichen Sehenswürdigkeiten. Da kann ich ne Rotznase und Schädelweh jetzt brauchen wie ein Loch im Kopf.
Draußen ist es nicht nur dunkel, sondern es pfeift obendrein wieder ein eiskalter Wind. Da hat der Spaß bei Kaffee und Kippe direkt mal ein weiteres, faustgroßes Loch. Immerhin: Die Routine aus Sport, umpacken und frühstücken geht Tag für Tag etwas zügiger und als ich wenig später das Auto belade, scheint die Sonne vom strahlend blauen Himmel. Allerdings hat sie – zu dieser frühen Uhrzeit – dem Wind noch nicht wirklich was von seiner Schärfe nehmen können. Mich fröstelt es ordentlich und für den Moment bin ich nicht sicher ob nun mehrheitlich von Wind oder Rüsselpest. Gegen Letztere muss ich jetzt als erstes Mal was unternehmen – ab zur Pharmacy!
Das Gute an einem so wenig regulierten Land ist, dass es hier frei verkäuflich allerlei medizinisch wirksame Inhaltsstoffe gibt, an die es bei uns ohne Studium und Rezeptblock kein Rankommen gäbe – noch dazu in Dosierungen, die einem heimischen Apotheker Tränen in die Augen treiben würden. Wenig später schleppe ich einen Beutel voller Medikamente und eine Großbox Rotzfahnen zum Auto, wo ich mich auch umgehend mit den fragwürdigen Rüsselpestiziden volldröhne. Nebenwirkungen…? Drauf geschissen! Wenn es einen Tag gibt, an dem ich keinen Presslufthammer in meinem Schädel brauchen kann – dann heute!

Wenige Augenblicke später setzt bereits die Wirkung ein. Der Rotzpropfen in meiner Nase verwandelt sich in Wasser und der Druck in meinem Schädel verliert ein paar bar. Good bless the american pharmacy!
Bevor ich allerdings den großen Scenic Drive durch den Yellowstone antreten kann muss ich erstmal noch „die Pferde tränken“ aka Benzin fassen. Der Karren ist echt ein kleiner Schluckspecht. Es rauschen schon wieder knappe 25 Gallonen und damit knapp 100 Dollar durch den Tankstutzen. Augenblicklich ertönt wieder Elses Klugscheißerei, aber auch heute bin ich wieder nicht geneigt, dem Gehör zu schenken. Meine Antwort auf das Klagelied lautet schlicht: „Aber es brabbelt und gluckst nunmal so schön!“
Und dann geht es endlich los! Raus aus Livingston – rein in der Berge. Erstmal auf einer Nebenstraße ins „Paradise Valley“ – und damit ins Herz der Serie „Yellowstone“. Was soll ich sagen: Die Bilder da haben nicht gelogen. Es ist einfach malerisch..! Genau so habe ich mir das vorgestellt. Hier ein Creek, da eine Ranch-Einfahrt – jedes Haus noch ein bisschen größer und schöner als das Vorige. Das ganze Tal ein einziger Traum!


Nach einiger Zeit erreiche ich das „Tor“ zum Nationalpark – eine kleine Westernstadt eingeschlossen. Hier mache ich kurz halt, stöbere durch ein paar Geschäfte (alles Touri-Souvernir-Kram versteht sich), kaufe ein paar Sticker für meine Koffer und lasse mich in einer Cowboybar auf einen Kaffee in der Sonne nieder. So schön das hier ist – besonders lange kann ich nicht stillsitzen. Es juckt mich, in den Park zu kommen. Also trolle ich mich schon bald wieder Richtung Auto und löse das Einfahrticket (welches mit 35 Dollar für eine Woche – einzelne Tage gibt es nicht – wirklich vergleichsweise günstig daher kommt).

Mein erstes Ziel im Yellowstone: „ The Mammoth hot springs“. Ich hatte mir bereits im Vorfeld aus der Vielzahl an Sehenswürdigkeiten einige rausgesucht und schon früh beschlossen, nicht auf direktem Weg sondern über die „Grand Loop Road“ durch den Park zu fahren.
Schon die ersten Meter Anfahrt gereichen zum Staunen angesichts der Berge und Wälder, die sich hier zu meiner Linken und Rechten ausbreiten. Die Weite dieses Landes ist einach schier unglaublich und versetzt mich jedes einzelne Mal in Sprachlosigkeit – und auch ein wenige Demut. Dabei bin ich noch keine Viertelstunde im Park!

Kurz darauf erreiche ich den Berg mit den heißen Quellen und parke den Wagen. Die nächste Stunde werde ich zu Fuß beim Aufstieg und Ausblick verbringen. Das Gelände ist einfach atemberaubend!


Leider schweigt sich der große Geysir aus, als ich mich schnaufend und prustend die endlosen Treppen da hoch gequält habe. Das ist an sich kein Problem, aber die Sauerstoffaufnahme ist durch Kollege Rotznase etwas gehemmt (ich hätte nachdopen sollen, bevor ich los bin….) Dennoch verbringe ich ein paar wundervolle Augenblicke beim Blick über Panorama und Gelände – Geröchel hin oder her.

Schweren Herzens wende ich mich irgendwann zum Gehen, denn es gibt noch zahlreiche andere Dinge zu sehen: Einen versteinerten Baum, mehrere Wasserfälle, hoffentlich ein wenig „Wild Life“ und am Ende den großen „Yellowstone Lake“… Kurzum: Ich muss weiter.



Mein persönliches Highlight erwartet mich am Nachmittag. Mein Magen meldet sich mit dem Verlangen nach Futter und ich beginne, nach einem Turnout ausschau zu halten. Hier sind zwar alle Nase lang welche, aber ich hätte gerne einen mit bestmöglicher Aussicht für mein Picknick. Einen solchen Spot erspähe ich tatsächlich alsbald und was soll ich sagen: Genau DAS ist der Grund warum ich auf solchen Reisen immer einen Pick-Up fahren möchte und kein normales SUV: Picknick auf der Tailgate, oder anders: Bütterken mit Panorama…!!!!

Der Nachmittag vergeht mir Fahren, Aussteigen, Rumlaufen, Bilder machen, Fahren, Aussteigen, ….. Die Zeit rast mir nur so durch die Finger und an den Augen vorbei. Eins steht fest: Hierhin werde ich wiederkommen! Und dann will ich die ganze volle Experience – mit Rafting, mit Fishing, mit Horsebackriding, mit Übernachtung in einer der „Cabin in the woods“, Kaminfeuer inklusive…! Wer auch immer der nächste Clyde in meinem Leben sein wird – den. Vorschlag werde ich ihm gleich mal um die Ohren hauen.



Am frühen Abend erreiche ich schließlich den Yellowstone Lake. Er markiert das Ende meiner Fahrt durch den Park, auf der ich irgendwo die Staatsgrenze nach Wyoming passiert habe ohne es wirklich zu merken. Ich mache noch ein paar Schritte am Ufer, beschaue die umliegenden Berge und versuche, das heute Gesehene noch besser abzuspeichern bevor ich mich für die letzte Etappe ins Auto schwinge und den Park in Richtung Osten verlasse.


Eigentlich dachte ich, dass damit der sehenswerrte Teil des Tages zu Ende wäre, aber auch hier liege ich mal wieder falsch. Meinen Augen und meinem Anlasser wird einfach noch kein Feierabend gegönnt, denn was das Ende des einen Parks ist der Anfang des Nächsten. Die Straße nach Cody führt einmal quer durch den „Shoshone National Park“ und ich komme nicht umhin gleich Michael Bully Herbigs Stimme im Kopf zu hören: „…Da wo die Shoshonen wohnen“




Es wird bereits langsam dunkel als ich Cody erreiche – mein Tagesziel. Nachdem ich nun den ganzen Tag auf dem Bock saß und an allerhand mehr oder minder behörntem Vieh vorbei gefahren bin, gelüstet es mich nach einem ordentlichen Steak – und einer heißen Dusche. Nicht zwangsläufig in dieser Reihenfolge.
Die Aussicht auf beides pulverisiert sich allerdings schon bei der Ortseinfahrt, denn gleich zu Beginn passiere ich eine Arena, an der in großen Buchstaben ein Rodeo angekündigt wird – und zwar HEUTE! Ich kann mein Glück kaum fassen! Der neue, unausweichliche Plan verpasst meinem Steak und der Dusche mal sowas von umgehend einen sauberen Arschtritt! Denn bis zum Beginn der Show bleibt kaum noch Zeit. Daher nur schnell einchecken, Koffer ins Zimmer und quasi volley wieder los.
Was dann folgt ist quasi Life-Bucketlisting. Der Parkplatz ist voll mit Bullenfängerbehangenen Trucks, vor dem Tickethäuschen tummeln sich weiße Stetsons, Boots und Chaps und in der Arena: Pferde. Bullen. Cowboys. Bierstände. Es ist Jahrmarkt – auf Wild West Art..! Mein Herz schlägt Purzelbäume vor Freude.


Langsam versinkt die Sonne hinter den Bergen. Ich hole mir eine Dose eiskaltes Coors, nehme meinen Platz auf der Tribüne ein und genieße in den folgenden Stunden etwas, das ich schon mein ganzes Leben lang einmal sehen wollte.
Dieser Abend bildet den absolut krönenden Abschluss eines wirklich denkwürdigen Tages. Das alles nehme ich mit. Für IMMER…!
As #MEMORABLE❤️ as it can get..!
P.S. – Anmerkung der Redaktion: Wer kurz nach Erstveröffentlichung Rechtschreibfehler findet darf sie gerne behalten. Lektoratstätigkeiten lassen sich hier nicht immer nahtlos in Einklang bringen mit Zeitplan und/oder Netzabdeckung.
Sooo viele Eindrücke, herrlich ♥️
LikeGefällt 2 Personen