Die Nacht vergeht im ungestörten Tiefschlaf. Kollege JetLag scheint sich verzupft zu haben. Das macht den Morgen deutlich angenehmer. Auch die Runde auf dem Laufband geht mir heute leichter vom Fuß als gestern. Nur das Wetter hat sich leider nur wenig gebessert. Zwar scheint der Lorenz hell vom strahlend blauen Himmel, aber der Wind ist immernoch geeignet, einem die Lust am Morgenkaffee draußen reichlich zu versauen.
Heute erwartet mich zwar deutlich weniger Strecke als gestern – dafür aber mehr schöne Aussichten und ein paar von meinen geliebten Backroads. Also verliere ich keine weitere Zeit, belade den Truck und verlasse Helena. Kerzengerade breitet sich der Highway 287 in strahlendstem Sonnenschein vor mir aus – rechts und links flankiert von Zäunen, kleinen Häusern und jeder Menge „Gegend“.

Schon nach weniger Meilen verlasse ich den Highway und biege ab um mit einem kleinen Umweg ein Bassin des Missouri River zu umrunden. Und damit beginnen sie – meine geliebten Backroads…! Und was soll ich sagen – kaum 5 Minuten später werde ich reichlich belohnt und muss den Truck schon das erste Mal in einer Staubwolke zum Stehen bringen. Die Aussicht auf den See in der Morgensonne ist einfach zu schön und ich mache ein paar Schritte am Ufer. Es gibt einen schönen Steinstrand – der von hier oben aber leider unerreichbar ist. Da hilft auch das Schotter-Erprobte Schuhwerk nicht.

Ich gehe zum Truck zurück und setze meine Fahrt am Ufer entlang fort. Der Asphalt schmiegt sich hier sanft in die goldenen Hügel, entlang von endlosen km Zaun. Ab und an passiere ich das Einfahrtstor einer Ranch und wenig später eine uralte Kirche.


Hier gehen die Uhren definitiv anders als bei uns. Ich genieße den Fahrtwind und sauge jeden Meter in mich auf. Genau SO habe ich mir Montana immer vorgestellt…!



Schon als Kind habe ich davon geträumt hierher zu kommen. Eigentlich in dem Gedanken, einmal auf dem Pferderücken durch die Rocky Mountains zu zuckeln. Jedoch musste ich mir irgendwann einfach eingestehen, dass meine Abneigung gegen vielfach bebeintes Viehzeug und somit auch Übernachtungen in einem Zelt größer ist, als dieser Wunsch.
Die Autobatterie muss heute ganz schön was aushalten. Alle Nase lang halte ich an um ein paar Fotos zu machen. Das Panorama ist mitunter einfach zu schön.

Als ich für ein Bild durch ein Stück Steppe schrabbeln muss, bemerke ich ein schnarzendes Geräusch. Ich schaue mich um und erblicke einen fetten Käfer, der sich – reichlich unelegant – von einem Strohhalm zum nächsten schwingt. Erst kruz danach bemerke ich, dass sich eigentlich die gesamte Dörrwiese um mich herum „bewegt“. Hier sind, neben den dicken Käfern, ganze Hundertschaften von Grashüpfern und Heuschrecken am Start. Alles springt und „knistert“ durcheinander. Was für ein Chaos!
Zurück im Auto muss ich leider feststellen, dass ich einen Teil der Steppenbevölkerung versehentlich verschleppt habe. Zwei Grashüpfer vollführen ein Tänzchen auf dem Dashboard – und zu allem Unglück bemerke ich eine kleine Ameisenstraße, die sich an meinem Hosenbein empor bewegt. Na toll! Da muss ich erstmal für Ordnung sorgen. So geht das nicht!
Es dauert eine Weile, bis ich alles, was mehr Beine hat als ich, aus dem Wagen befördert habe. Mal mehr, mal weniger lebendig. Derart Ungezifer-befreit kann ich meine Fahrt fortsetzen. Nächstes Ziel: Bozeman. Einer der Orte, an dem die Serie „Yellowstone“ spielt. Hier habe ich einen kleinen Zwischenstop geplant. Ein wenig durch Downtown schlendern, ein kleines Mittagessen und der Besuch in einem ganz besonderen Vintage Store stehen in meinem Programmheft.
Mit dem Lunch fange ich an. Mir knurrt der Magen. Die Location liegt etwas „ab vom Schuss“ und trägt – neben einer Restuarantempfehlung – den Klangovollen Namen „Pickle Barrel Sandwich Shop“. Einige von Euch wissen vielleicht, dass ich a) saure Gurken sehr gerne esse und b) mit Selbigen eine ganz besondere Geschichte in den USA verbinde. (Grüße gehen raus an meinen Kollegen Adrian! Die Dill-Pickles auf der Tailgate des Tacoma im Joshua-Tree-National sind ein absoluter Take-Away-Moment geworden!)
Der Laden ist ganz anders, als ich ihn mir vorgestellt hab. Winzig klein, mehr wie ein Kiosk, hinter dem Tresen ein leibesvoller Typ (wahrscheinlich ist er selbst sein bester Kunde…), an der Grillplatte vermutlich seine Frau. Über ihm eine kleine, aber feine Speisekarte, die mir augenblicklich einen Speicheleinschuss beschert. Ich bestelle und sitze keine 5 Minuten später mit meiner Fress-Beute im kleinen Außenbereich. Es gibt ein heißes Ground-Beef-BBQ-Cheese Sandwich und natürlich eine Portion „Pickles“. Beides so unfassbar lecker, dass es in wenigen Augenblicken verschlungen ist. Ich bleibe noch ein paar Minuten an meinem schattigen Plätzchen sitzen, bevor ich mich auf den Weg zum Vintage Store mache.
Der kleine Umweg hierher hat sich auf jeden Fall gelohnt. Der einfache Name „Bozeman Vintage“ lässt jetzt nicht unbedingt vermuten, was sich hinter der Tür verbirgt, jedoch habe ich den Laden online entdeckt (IG Algorithmus sei Dank) und habe also zumindest eine leise Ahnung, was mich erwartet. Oben im Verkaufsraum angekommen, gehen mir dennoch die Augen über. Hier gibt es alles – so lange man Ausrüstung für Cowboys sucht. Auf alten Holzregalen tummeln sich Hunderte Paar Boots, Jeans, Buckles, Lederwesten, Chaps und Cowboyhüte.

Ganz kurz bin ich versucht, mir einen echten Stetson zuzulegen. Aber der kostet auch gebraucht noch ein Vermögen – und auch wenn ich den hier die mächsten 2 Wochen safe prima tragen könnte – daheim würde er doch nur verstauben. Also hänge ich das gute Stück ein wenig schweren Herzens wieder zurück auf den Haken. Dem Impuls mich umzudrehen und doch zuzuschlagen kann ich auf dem Weg zum Auto kaum widerstehen.
Die letzte Etappe des Tages dauert nicht mehr lange. Nach nur gut 30 Minuten fahre ich am frühen Nachmittag schon auf den Parkplatz meines nächtlichen Domizils in Livingston, wo der Nachmittag unaufgeregt und entspannt am Pool vergeht, bevor ich mich aufraffe und den durchgesessenen Hintern für eine ausgiebige Runde ins Gym schleife. Was dann folgt ist definitv das Highlight des Tages: Das Hotel verfügt über einen Hot Tub im Außenbereich – und der ist *Oh Wunder* gerade auch noch frei! Das kommt meinen geschundenen Muskeln gerade Recht! Es dauert keine 2 Minuten bis ich mich ins Plantschoutfit geschmissen habe und mich im heißen Blubberwasser niederlasse. Das Gefühl ist einfach gerade durch absolut Nichts zu toppen – insbesondere, da genau vor meiner Nase gerade die Sonne über den Hügeln im Westen untergeht.
Irgendwie muss ich wohl die Zeit vergessen haben, denn als ich aus dem Pool steige sind meine Hände so runzelig, dass ich Sorge habe, mir würde die Pelle im Falle einer kleinen Erschütterung einfach so von den Knochen flutschen. Jetzt aber schnell ab unter die Dusche und ich frische Klamotten – ich wollte ja eigentlich noch was essen gehen. Überraschenderweise ist mir aber frisch frottiert und verföhnt irgendwie gar nicht mehr nach Ausgehen. Ich bin ein wenig müde – und außerdem habe ich das äußerst ungute Gefühl, dass mein gerade frisch von Dannen gezogener Freund „JetLag“ von seinem Kumpel „Erkältung“ abgelöst wird. Die Entscheidung im Hotel zu bleiben ist also schnell getroffen. Das Haus verfügt – wie so viele andere Hotels in diesem Land – über einen großen Firepit im Außenbereich. Ich zimmere mir aus dem Inhalt der Kühlbox noch schnell ein kleines Picknick (Bagel, Creamcheese, Jack Cheese, Pickles, Cocktailtomaten und eine Handvoll Chips sind das „Menu du Jour“) und rolle mich grundzufrieden auf der Couch vom Feuer zusammen.
Let´s call it a Day!
