Es war 16:00 am heutigen Montag als ich den Arbeitsrechner zuklappe, nachdem ich die letzte Mail versendet und meine finale Abwesenheitsnotiz eingerichtet habe. Volle 3 Wochen Urlaub wollen im digitalen Zeitalter, in dem Outlook, Teams, Skype und das Telefon züblicherweise alle gleichzeitig um die Wette und damit um die Aufmerksamkeit des gemeinen Schreibtischtäters pingen, gut vorbereitet sein.
Während ich meine 7 Sachen vom Schreibtisch klaube (beim so genannten Desk Sharing muss ja alles leer und lupenrein hinterlassen werden) gehe ich im Kopf nochmal alles durch, diskutiere kurz mit Else ob ich auch wirklich nichts vergessen habe und schließe meine Sachen in den Spind. Keine 2 Minuten später stehe ich draußen. In meinem Kopf vollführt Else wahre Luftsprünge und tönt was von Elvis, der das Gebäude verlassen hat.
Urlaub…! Und was für einer!
Endlich ist es wieder soweit. Die nächste, diesmal wieder größere, Reise steht vor der Tür. Wobei … Eigentlich steht sie schon mitten im Flur und scharrt lautstark und ungeduldig mit den Hufen. Und ebenfalls eigentlich ist diese Reise nicht „größer“ sondern ehrlicherweise das größte Abenteuer, an das ich mich bislang herangetraut habe. Eigentlich wollte ich, angefixt durch die Serie „Yellowstone“, von der ich jede einzelne Folge inkl. aller Spin-Offs, aufgesaugt habe wie ein Junkie 2 Kubikmeter Benzindämpfe, einfach nur nach Montana.
Nachdem ich (bekennender geografischer Maulwurf) aber zunächst keine Ahnung hatte, wo genau in den USA Montana denn eigentlich zu finden sei, musste erstmal Google dem Erdkunde-Elend ein Ende bereiten. Von da an hat es sich quasi irgendwie verselbständigt.
Flüge gebucht, Auto gebucht und dann bin ich wohl bei der Routenplanung irgendwie eskaliert – kompletter Kontrollverlust inklusive. Was folgte, waren Wochen der Planung, Buchung, Umbuchung sowie eine gesunde Mischung aus Frust, Freude und einer vollen Hosen – je nach Tagesform. Das Ergebnis: Die für mich sicher größte Herausforderung der letzten Zeit…
Die Aufgabe (Ihr ahnt es): Wieder ein längerer Roadtrip durch die USA. Jedoch scheint mir bei keinem der bisherigen Trips dieses kleine, unscheinbare Wörtchen „durch“ je so zutreffend gewesen zu sein
Das Ziel: Der Weg. Von meiner Landung in Seattle geht es über mehr als 8.000km durch ganze 10 Bundesstaaten. Ich erwähnte bereits, dass es etwas außer Kontrolle geraten ist.
Die Route: Im Norden Washingtons durch die Rocky Mountains nach Montana. Durch den Yellowstone Park nach Wyoming. Über Devils Tower und den Mount Rushmore in South Dakota nach Nebraska. Durch etwas Wüste nach Colorado. Entlang einiger weniger Indianerreservate nach Utah. Über Salt Lake City Richtung Idaho (Zwischenstop an einen schier unfassbaren US-Classic-Car-Cemetery). Wieder etwas Wüste auf dem Weg nach Nevada und dann über den Lake Tahoe nach Kalifornien. Via Sacramento und das Napa-Valley dann zur Golden-Gate-Bridge. Von hier aus geht es wieder Richtung Norden. Das mir bislang völlig unbekannte obere Ende der Westküste winkt mit Wellen, Meeresrauschen und ein paar kleinen Küstenstädte entlang meines geliebten Highway No. 1. Etwas Dune-Buggy-Riding und noch ein paar Red-Wood-National-Parks in Oregon, bevor die letzte Etappe mich über schlussendlich den Olympic National Park wieder zurück nach Washington / Seattle führen wird.

Jetzt, wenn ich mir das hier alles mal selber laut vorlese, komme ich nicht umhin mich zu fragen, wer mir eigentlich ins Gehirn geschissen hat, mir so eine Route auszudenken. Else schiebt natürlich jede Verantwortung weit von sich – aber am Ende sind wir uns einig: Gekniffen wird nicht…!
Also hab ich die letzten 3 Tage damit verbracht, Wäsche zu waschen, die dicken Wanderstiefel nach Ihrem letzten, unrühmlichen Einsatz 2018 mal wieder sauber zu machen, Klamotten für den dezent anspruchsvollen Temperaturbereich von lausigen 3 Grad oben in den Rocky Mountains bis hin zu schweißtreibenden 35 Grad in der Wüste Nevadas aufzuschichten.
Ich werde bis auf 2 Ausnahmen in der letzten Woche jede der 19 Nächte woanders verbringen. Da habe ich wenig Lust das Gepäck jeden Abend vollends a) aus dem Auto zu wuchten und b) auf der Suche nach diesem oder jenem Kleidungsstück zu durchforsten.
Also habe ich den mannshohen Stapel schlussendlich wieder in einzelne „Wochenpakete“ aufgeteilt und abgepackt, damit ich nicht nachher in Montana bibbernd die Bikinis in der Hand hab und mir dafür in Nevada die cm-dicken Fleece Pullover im Weg sind, während mir der eigene Saft die Wirbelsäule fermentiert.
Am Ende sind die Koffer gewohnt voll, jedoch habe ich über die Jahre so meine Strategie zur nachhaltigen Gepäckreduzierung entwickelt. Ich bin dazu übergegangen, für derlei Reisen an Stelle von mühevoll kuratierten Outfits nur noch Klamotten einzupacken, die ich hier mangels Nutzung oder wegen Lochfraß etc. ausgemistet hätte. Nachdem sie mir drüben dann ihre letzte Ehre erwiesen haben, gehen die dann entweder final in die ewigen Jagdgründe oder (je nach Zustand) als Kleiderspende in einen den unzähligen „Thrift-Stores“ um irgendjemandem noch als Schnäppchen im Jutebeutel eine Freude zu machen.
Der ganze Zinnober klingt aufwendig (isser auch) hat sich aber bewährt. Denn so wird das Gepäck mit der Zeit immer leichter, irgendwer freut sich und entstehende Hohlräume können wiederum mit frischer Beute aufgefüllt werden.
Die kleine, verschmerzbare Kehrseite dieses Set-Ups sind gelegentlich etwas merkwürdige Klamotten-Ensembles. Drauf geschissen…! Ich bin ohnehin die ganze Zeit alleine, habe keine dienstlichen Termine, für die ein Dresscode vorgegeben wäre und esse eh lieber in Pubs oder Sportsbars als in feinen Restaurants. Mich kennt dort absolut überhaupt niemand und es ist mir darüber hinaus von Haus aus recht zweitrangig, was andere über mich denken. Ob da also das Shirt jetzt zur Hose passt oder der einst hart geliebte Oma-Schlüpper ne neuerdings so verpönte „Pantyline“ zeichnet wird mir also die nächsten Wochen schlicht – und im wahrsten Sinne des Wortes – am Arsch vorbei gehen.
Stay Tuned!
This one is obviously going to be the most ever #MEMORABLE❤️
Das wird aber eine wilde Fahrt 😁 Freue mich auf die vielen, wie immer tollen Berichte über deine Erlebnisse.
Gute Reise mein Kind.
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