Der Morgen startet nach unserem erst frühmorgendlichen Zubettgehen nicht ganz so smooth wie der Gestrige. Nicht, dass die Laune schlecht wäre, aber man ist einfach ein kleines bisschen mehr zerknittert als am Tag zuvor. Allerdings scheint der Lorenz uns genauso ins Zimmer und Gesicht und befeuert so doch noch ein einigermaßen rasches „aus dem Bett schälen“. Sonst alles wie immer: Anziehen, Luft, Kaffee, Kippe, Sonne. Läuft!
Was vom Morgen übrig bleibt verbringen wir zunächst wieder in der Stadt. Mehr schlecht als recht wanken wir durch den westlichen, weniger touristischen aber dafür doppelt so schönen Teil der Innenstadt. Hier ist alles etwas aufgeräumter, die Shops weniger Mainstream, die Cafes kleiner, die Blumen vor den Fenstern farbenfroher, die Residents vorhanden und geschäftiger. Während wir noch recht verschlafen nach einem Tabak-Geschäft und einem Platz in der Sonne Ausschau halten, stolpern wir an einem Schaufenster vorbei, dass unsere Aufmerksamkeit erregt. Vor unseren Augen glänzt die feine Auslage eines zauberhaften, kleinen Vintage-Juweliers. Hier sollen wir die nächsten gut 30 Min. mit Anschauen, Auswählen und Verhandeln verbringen, bevor wir den Laden breitest grinsend mit 2 kleinen Schmuckkästchen verlassen.
Wieder auf der Straße klatschen wir kurz ab, freuen uns ein zweites Loch in die Futt und hocken wenig später an einem wundervollen, ruhigen Eck für ein ausgiebiges Frühstück in der Sonne. Besser kann ein Tag einfach nicht starten und so langsam hält auch das Leben wieder Einzug in unsere schlafberaubten Visagen.
Auf dem Plan heute steht: Nichts – wenigstens tagsüber. Das kommt uns gerade sehr gelegen, da wir ohnehin schwer damit beschäftigt sind, die ganze Vintage-Läden des Viertels zu durchstöbern. Ich selbst hab ja so meine liebe Not mit dem Erwarb und der Nutzung von bereits getragener Kleidung – aber die Accessoires in diesen Läden finde auch ich mehr als interessant. So zieht der Tag an uns vorbei: Hier und da ein Laden, hier und da ein Cafe. Schlussendlich entscheiden wir uns, unsere Beute (bestehend aus Käse, ein paar Kleidungsstücken & Accessoires, sowie den Schmuckstücken vom Morgen) zurück ins Hotel zu schleppen und den Nachmittag auf der Hauseigenen Terrasse mit Vino & Aperol in der Sonne ausklingen zu lassen. Aber vorher müssen wir ja unbedingt noch die letzte aller Touristensünden begehen: Frikandel Spezial, Fleischkroketten und eine Bami Scheibe soll es sein. Fastfodd der allerfiesesten Sorte – aber, wir kommen nicht umhin zu gestehen: Leider geil!!

Satt und zufrieden machen wir uns wieder auf den Rückweg. Die Sonne gibt uns geleit, die Drinks sind eiskalt und am Nebentisch trinkt sich ein recht ansehnlicher JGA für den Abend warm. Ich tippe auf Briten oder Iren – was uns wiederum reichlich Stoff für Beobachtung bietet. N paar hübsche Kerle sind dabei und mit derlei Aussicht schmeckt der Wein gliech doppelt gut.
Aber so langsam werden wir hibbelig. Was am Abend noch folgen soll, ist der Hauptakt und das Highlight des Wochenendes: Bereits lange im Vorfeld haben wir Tickets für ein kleines Technofestival auf dem ehemaligen Tuishavener Werftgelände gekauft. Die Vorfreude ist beinahe greifbar. So kommt es, dass wir alsbald den Platz an der Sonne aufgeben um uns fertig zu machen.
Was uns aber wiederum vorher kurz fertig macht, sind die kleinen Wampen, die sich über die letzten 2 Tage über unseren Gürteln gebildet haben. Nichtstun, Süßkram, Knoblauch, Frikandel und Alkohol haben eben doch ein paar Nebenwirkungen. Aber mit kleinen Anpassungen der geplanten Garderobe und mehreren „Was soll´s – Scheiss drauf“ verlassen wir alsbald trotzdem hochmotiviert das Zimmer.

Die Fahrt im Uber dauert nur wenige Minuten und bleibt bisweilen ohne Anwandlugne a la „No Blubb“ – aber was nich is kann ja noch werden. Schon beim Öffnen der Autotür wummern uns die Bässe vom Gelände entgegen und das Publikum scheint deutlich mehr unser Geschmack zu sein als gestern. Eintritt, Kontrolle und Stempel sind schnell erledigt, ein Locker für die Jacken und sonstiges Geraffel ist ebenfalls alsbald besorgt und wir stürzen uns ins Getümmel. Die Frage nach einem ersten Drink ist gar nicht so schnell beantwortet. Die Auswahl ist mau bis nicht vorhanden und obwohl es uns Beiden schon in den Fingern juckt, gleich ein paar Shots zu bestellen, bleiben wir für den Anfang erstmal beim Bier. Die bösen Sachen kommen schon früh genug. Was folgt ist die obligatorische Runde übers Gelände. Hier ein Zelt, da eine Halle und dort ein Open-Air-Kessel in dem die Stimmung überzukochen droht. Einfach herrlich!

Eigentlich …. Denn während wir uns so nichtsahnend durch die Massen schieben passieren wir ganz nebenbei das wohl böseste Foul des Abends: Vor uns erscheint eine Reihe – ich kanns kaum aussprechen – Dixie Klos. Else kreischt sofort schmerzerfüllt auf „What the fuck…? Du bist zu alf für diesen Scheiß!“ Unglücklicherweise muss ich Ihr insgehiem Recht geben… Aber eben auch nur insgeheim. Ich ziehe die Droh-Foto Nummer aus dem Foltermuseum durch, bringe Else augenblick zum Schweigen und frage mich innerlich, wie lange ich wohl abkneifen kann…?! Aber das Gute an Problemen ist ja bekanntlich, dass sie später immer noch Probleme sind. So schiebe ich die Pipi-Frage ganz bequem der Zukunfts-Sarah zu und widme mich fröhlicheren Aussichten: Wir finden einen kleine Brücke, erspähen einen guten Spot mit einer grandiosen Akustik samt Bomben Aussicht auf den brodelnden Kessel und nisten uns ein.

Das Bier ist längst leer, der darauf folgende Espresso-Martini auch – aber dieser Abend schreit nach mehr. Vodka gibt es keinen – Bourbon ebenfalls nicht. Und so sehe ich mich gezwungen, dem Drink ins Auge zu blicken, um den ich in den letzten Jahren so verzweifelt einen Bogen gemacht habe: Gin-Tonic. Hier gereicht als Fertig-Mische minderer Qualität in einer ebenso formschönen wie farbenfrohen Dose. Na wunderbar! „Endlich wieder Kopfschmerzen“ tönt Else weit hinten in meinem Schädel. „Scheiss drauf“ antwortet mein echtes Ich. Immerhin kein offenes Glas – man soll ja immer das positive sehen.

Nach der Dose des Grauens beschließen wir, das Open-Air zu verlassen und mal einen Blick in die Halle zu werfen. Nicht ohne auf dem Weg einen Stopover bei den Dixie-Klos zu machen. Und was soll ich sagen …?! Es ist genauso schlimm wie erwartet. Eine Militärhocke, kein Klopapier und zwei nasse Schlüppies später schleichen wir mit etwas leidigem Gesicht Richtung Halle – und werden umgehend für den Toilettenfauxpas entschädigt: Der Sound, der uns entgegenwummert ist mit Worten kaum zu beschreiben. Bühnenbild und Tanzwut der Umstehenden tun Ihr Übriges: Wir müssen im Himmel sein! 2 weitere Dosen Gin Tonic später stehen wir tanzend in der obersten Reihe der Tribünen, genießen den Bass der unsere Körper durchströmt und versinken einfach in diesem grandiosen Feuerwerk aus Klang und Farbe bis wir zum DJ-Wechsel rausgeschmissen werden.

Erst hat der Spaß da kurz ein Loch – aber draußen macht sich gerade die Sonne auf den Weg hinter den Horizont. Und so entern wir schnell wieder den – unverständlicherweise – immer noch freien Platz auf der Brücke um den Sundowner zu genießen. Bei bester Musik versteht sich von selbst.
Während der Tag langsam der Nacht weicht gehen auf dem Festivelgelände die Lichter an. Ein Ende ist gerade noch nicht in Sicht – das soll sich wenig später aber leider ändern. Irgendwann um kurz nach 23 Uhr streicht auch der DJ draußen die Segel. Wir blicken von der Brücke einigermaßen Ratlos in die Massen, die nun alle entweder Richtung Ausgang oder Halle strömen. Es dauert einen Moment und einen Blick auf die Tickets bis wir begreifen, dass der „Night-Act“ hier getrennt abläuft. Wenngleich unsere Tickets selbigen beinhalten, staunen wir über die Schlange, die sich am Eingang der Halle bildet: 3 Areas drücken nun in Richtung einer einzelnen Verbleibenden. So sehr wir auch gerade überhaupt keine Lust haben heim zu gehen, so wenig Lust haben wir auf die Press-Passungs-Party da drinnen. Schlussendlich – auch mit dem Verweis auf die morgige, vermutlich wieder lange Rückfahrt – tun wir einmal an diesem Abend etwas beinahe ekelhaft Erwachsenes: Wir trollen uns Richtung Ausgang. Nicht ohne noch einmal am obligatorischen Fotobox einen Besuch abzustatten.

Danach: Uber. Hotel. Lobby. So weit – so gut. Blöd Allerdings: 2x Hunger & kein Bock auf Schlafen. Mittlerweile weit nach Mitternacht, bemühe ich mich um eine Bestellpizza während Michelle an der eigentlich bereits geschlossenen Hotelbar um einen letzten Drink zur Überbrückung der Lieferzeit bettelt. Erfolgreich versteht sich – Irgendwie will wohl noch keiner ins Bett.

Nach weiteren 50 Min haben wir beide den Glauben daran verloren, dass die Pizza noch kommt und das schlagkräftige Duo aus Langeweile und Müdigkeit versetzt dem Wunsch nach Essen kurzerhand einen ordentlichen Arschtritt. Im Zimmer angekommen pellen wir uns aus den Klamotten, hüpfen beide noch schnell unter die Dusche (das Dixie-Klo muss runter vom Körper), mummeln uns wenig später sauber in unsere Bettdecken und freuen uns auf die Nachtruhe. Leider nur etwa 5 Minuten, denn dann reißt uns das Telefon aus dem einsetzenden Schlaf. Unsere Pizza wäre dann wohl da. Michelle sitzt augenblicklich kerzengerade im Bett während ich mir hektisch die erstbeste Kleidung schnappe, quasi im Gehen die Joggingbuxe anziehe um runter in die Lobby zu fahren und unser bereits abgeschriebene Mitternachtsmal abzuholen.
Was dann folgt ist der denkbar passendste und krönende Abschluss eines absolut unnormal geilen Wochenendes: Morgens 01:30 – Zwei völlig derangierte Party-Ingrids. Pizza im Bett. Fettfinger? Drauf geschissen! Krümel? Scheißegal.
Sich einfach mal n paar Tage am Arsch lecken zu lassen kann so unfassbar herrlich sein!!!
Thank you Amsterdam for having us! Thank you Michelle for making this one of the most remarkable weekends of my lifetime!
#MEMORABLE hoch 2!!!!!
