Kleiner Rückblick in die vorletzte Woche: Christi Himmelfahrt. Vatertag. Langes Wochenende. Diese Arbeitswoche endet für mich am frühen Mittwoch Abend. Gepackt ist bereits und der Koffer ist auch schon im Auto. Also muss ich nach der letzten Videokonferenz nichts anderes mehr tun, als meinen Rucksack schnappen, den letzten Red Bull aus dem Kühlschrank holen und mich voller Vorfreude aufmachen nach Stuttgart. Kurzer nächtlicher Stopover bei meiner Stiefcousine Michelle (aka Tätowiererin meines Vertrauens aka Freundin) bevor wir dann am nächsten Morgen in aller Früh Richtung Norden aufbrechen. Es geht wieder nach Amsterdam – diesmal 4 Tage. Und diesmal mit etwas anderem Programm als vor 4 Wochen.

Die Fahrt entpuppt sich als echter Alptraum. Kein Wunder – Vatertag sind die Autobahnen bumsvoll. Es scheint, als wolle an diesem ersten ernsthaft frühlingshaften Wochenende wirklich irgendwie jeder irgendwohin. 90% davon offensichtlich in die gleiche Richtung wie wir. Somit dauert es stolze 8 Stunden bis ich den Wagen in der Hotelgarage abstellen kann. Ich will gerade anfangen, mich über meinen durchgesessenen Allerwertesten zu beschweren, als von rechts ein lautes „Zzzzzzisch“ an mein Ohr dringt. Ich drehe mich um. Hinter mir steht Michelle. Im Gesicht ein breites Grinsen, in Ihren Händen 2 frisch geknackte, eiskalte Exemplare der Gattung Dosenbier (Die Kühltasche hat wohl einen bravourösen Job gemacht). Kleines Willkommensgetränk. Für den Bruchteil einer Sekunde muss ich dem Versuch widerstehen, die Frau standrechtlich zu ehelichen. Welcome to Amsterdam!!

Der grobe Plan: Immer schön keine Termine und bitte immer leicht einen Sitzen. *Prost* Nach einer kurzen Stippvisite im Bad samt Textilwechsel – die nassen Lappen konnte ich keine Minute länger am Körper behalten – machen wir uns in bester Laune auf in die Stadt. Da das Hotel gleich am nördlichen Ende der Altstadt liegt, ist das schnell erledigt und wir können uns schon bald ins Getümmel stürzen. Die Mission fürs Erste: Mini-Straßen-Bummel auf der Suche nach einem Kaffee und einem Coffeeshop.

Beides schnell abgehakt und derlei versorgt starten wir kurz darauf mit der Restaurantauswahl für den Abend. Wir sind beide seeeeehr große Knoblauchliebhaber. Und da Amsterdam für Gestalten wie uns ein kleines, aber feines Highlight zu bieten: THE GARLIC QUEEN lautet der ebenso schlichte wie deskriptive Name eines kleinen Spots im Zentrum, das wir für heute ausgewählt haben. Und was soll ich sagen: Wir werden nicht enttäuscht. Hier gibt es alles – mit Knoblauch. Nicht mal vor Spirituosen oder Desserts wurde bei der Erstellung der erwartungsgemäß sehr knoblauchlastigen Karte Halt gemacht.

Als Vorspeise bestellen wir eine im Ofen gegarte, ganze Knoblauchknolle. den Hauptgang macht heute eine hausgemachte Pasta mit Knoblauch. Nur beim Dessert strecken wir die Waffen – mehr aus Völlegefühl, denn aus Ekel. Neugierig wären wir schon gewesen auf den dunklen Schokoladenkuchen mit Knoblauchinfusion… Aber es passt einfach nix mehr rein. Ist vielleicht auch besser so. Unser Fenster im Hotel kann man zwar Kippen, aber irgendwer muss ja Morgen frühin unserem Zimmer noch lebendig aufwachen dürfen. Also treten wir alsbald den Heimweg an – natürlich nicht ohne diesen noch mit ein paar Absackern in der ein oder anderen Bar zu strecken.

Ich für meinen Teil lerne in einem dieser Etablissements dann noch meinen persönlichen Todfeind kennen: „Wild Turkey“ – ein nicht ganz unbekanntes Gesöff (schon 100 Mal gelesen, aber noch nie getrunken), dass sich Whiskey schimpft, aber kaum zu mehr taugt als mir schon beim ersten, zarten Schluck jegliche Lebensfreude aus dem Gesicht zu ziehen. Gott – ist das ein widerliches Zeug! Passt aber irgendwie zu dem Laden in dem wir hier gelandet sind. So eine Art Studentenkneipe. Völlig abgewohnt, kippelige Stühle, betont junges und alternatives Publikum und allerlei komisches Zeug an den Wänden. Neben einer aufgepinnten, toten Fledermaus ist mein Favorit ein Bild, dass ich Michelle nur mit den Worten „Und da haben wir wohl eine entzündete Unterhose“ zur Beschau andienen kann. In dem Lachflash, der uns beiden darauf folgt, geht der fiese Geschmack des Bourbon-Hochstaplers in meinem Glas glatt unter….

Der nächste Tag beginnt, als sich gleißendes Sonnenlicht durch unsere bodentiefen Fenster auf unsere Betten, Kopfenden und Gesichter ergießt. So werde ich persönlich ja (fast) am liebsten geweckt! Derart wohlgelaunt drehe ich mich rum und finde einen Meter weiter (ich hatte das große Glück ein Zimmer mit 2 großen, searaten Queensize Betten zu ergattern) noch ein fröhliches Gesicht, das mich – unter einem Haufen Decken vergraben – verschlafen angrinst. Beim Morgenritual (Anziehen, Frischluft, Kaffee, Kippe, Sonne) – gibt es nichts weiter als Einhelligkeit über den Ablauf. Das Wetter ist unerwartet gut und der erste Kaffee in der Sonne schmeckt herrlich. Die Stimmung ist schon am frühen Morgen mehr als ausgelassen.

Der restliche Tag vergeht in einem absolut großartigen Mix aus Bummeln, Kaffee, Wein, Coffeeshops, hier und da ein paar Snacks und hier und da mal die Nasen in den ein oder anderen Vintage Store gesteckt. Wir besuchen den Blumenmarkt, schleichen nochmal beim goldenen Astronauten vorbei und lassen uns einfach treiben.

Es gibt viel zu entdecken wenn man ein Auge für die kleinen Details hat. So tönt irgendwann ein fröhliches „hier is ne Titte auf dem Boden“ von links unten. (Michelle ist kleiner als ich – das gereicht uns immer wieder zum ein oder anderen Witz über kleine Menschen)

Die Stadt ist zwar nicht mehr ganz so voll wie gestern, aber es tummeln sich immer noch tausende Touristen auf den engen Gehsteigen neben den Grachten. So lässt sich der ein oder andere Beinahe-Zusammenprall leider nicht vermeiden. Die meisten gehen beinahe unbemerkt und gänzlich unkommentiert von Statten – doch nicht dieser Eine: Michelle übersieht eine Frau, die sich im dichten Gedränge, mitten auf der Straße, die Schuhe zubindet. Als Diese sich nach Abschluss der Nestelei wieder aufrichtet, schweift Ihr Blick quasi von unten an Michelle entlang nach oben. Beim Anblick der Vielzahl an Tätowierungen auf diesem Luxus-Körper (Überflüssig zu sagen, dass Michelle als Vollblut-Tätowiererin einen ebenso extrovertierten wie einmaligen Stil pflegt) entfährt der Dame ein lautes erschrockenes „WHAT THE FUCK?!“. Wow! Das kam wohl von ganz tief unten. Das Gesicht der Fremden spricht in jedem Fall Bände – und der kleine Aufschrei hallt noch das ganze Wochenende in uns nach; natürlich stets begleitet von einem herrlichen Lachflash angesichts des blanken Entsetzens im Gesicht der Passantin.

Gen Nachmittag schleife ich Michelle noch in ein Foltermuseum. Ich hab´s ja sonst nicht so mit Ausstellungen – aber das Ding war mir schon beim letzten Besuch in der Stadt aufgefallen. Ich verteidige mein morbides Interesse damit, dass das ja schließlich auch irgendwie Kunst sei – oder zumindest Kultur, wenn auch nicht ganz Mainstream. Die Ausstellung selbst ist nett gemacht – allerlei gruselige Gerätschaften sind hier ausgestellt. Der Zweck einer grausiger als der nächste. Bei einem besonders schönen Exemplar zur Austreibung böser Gedanken komme ich nicht umhin ein Bild zu machen. Für Else – falls sie mal wieder irgendeinen Nonsens von sich gibt taugt das vielleicht als zarte Drohung….

Der Abend naht – und wir haben einen Verabredung mit meinem Bekannten Henry, der als „Local Resident“ auch schon letztes Mal bei einer sehr guten Abendgestaltung mitgewirkt hat (Ich erinnere an die geheime Bar hinter der unscheinbaren Tür). Auch heute hat Henry sich bereits im Vorfeld ein schönes Programm überlegt und so geht es erstmal auf die Fähre Richtung Amsterdam Nord. Hier gibt es ein altes Hafenfreigelände, was zum Beach umgebaut wurde. In chilliger und ausgelassener Atmosphäre genießen wir ein paar Drinks in ausgelassener Stimmung.

Zu vorgerückter Stunde lassen wir uns überreden, noch ein einen Club zu gehen (wäre ja nicht so, dass man uns sonst in derlei Etablissements prügeln müsste). Allerdings schwant uns bereits am Eingang einigermaßen Böses. Der Club liegt im Rotlichtviertel. Es ist der Einzige mit einer längeren Schlange hinter ein paar Metern Absperrband. Spricht ja erstmal für den Laden. Ein Blick in den Querschnitt der Wartenden lässt allerdings weniger Gutes erahnen. Die sind alle so unfassbar jung und so kontrovers durchgestylt, dass wir uns fragen, ob wir hier richtig aufgehoben sind. Aber bevor wir Protest einlegen können zieht Henry uns hinter sich her, löst den Eintritt und somit gibt es kein Zurück mehr.

Was sich hinter der ersten Tür offenbart hätte dann aber doch keiner ahnen können. Wir befinden uns in einer Art partygeschwängertem Musik-Labyrinth. Überall sind Türen, Treppen und verschiedene Dancefloors. Es ist dunkel, heiß, voll, bunt und aus jedem Raum donnern die Bässe – aber aus jedem Raum schwappt ein anderer Vibe. Die Stimmung brodelt und die Hundertschaften feiern als gäbe es kein Morgen. Hier HipHop, da Ballermann, dort Charts und Funky-Pop. Genau Meins – Niiiiiiicht. Oh mein Gott – wo sind wir hier nur reingeraten?

Da hilft nur, schnellstmöglich so viele Drinks auf den Overkill zu schütten, bis die musikalische Unterlage des Abends erträglich wird und man gepflegt und unauffällig in der feiernden Masse untergehen kann. Schlussendlich tut der Vodka schnell seine Wirkung und legt seinen üblichen Weichzeichner auf den fremdartigen Trubel, sodass wir uns irgendwann im HipHop-Hexenkessel der feiernden Jungmasse anschließen.

Wenn man sich der Stimmung erstmal angeschlossen hat, rauscht die Nacht dann doch recht schnell vorbei. So finden wir uns in der Früh wieder auf der Straße und Suche nach unserem Uber. Gut, dass Henry den Überblick hat und mitfahren muss, weil er sein Rad bei uns am Hotel abgestellt hat – bei den 100 Ministraßen, Kreuzungen und wartenden Uber-Fahrern wären Michelle und Ich todsicher in den falschen Uber gestiegen.

Den letzten der wirklich vielen Lacher das Tages markiert ein fieser Schluckauf, der mich – kaum dass ich auf die Rücksitzbank geklerttert bin – heimsucht. Selbige sind bei mir nicht selten, immer etwas geräuschvoller und ähneln akustisch wohl irgendwie dem Winseln eines Hundes, dem man auf den Schwanz getreten ist. Sehr zur Belustigung meiner Mitreisenden, die sich den Bauch halten vor Lachen angesichts der Geräusche, die mir aus dem Gesicht fallen. Nur der Uber-Fahrer kann das leider nicht wirklich einordnen (kann man ihm ja auch nicht übel nehmen) und schmeißt hektisch eine Mülltüte Richtung Rückbank. Der arme Mann fürchtet gerade Tod und Teufel – und obendrein wohl, dass ich ihm ins Taxi kotzen muss. Er zeigt also erst auf die Tüte, dann auf mich: „No Blubb“ lautet die verbale Begleitphrase.

Mehrfach und immer hektischer hervorgebracht zwischen meinen Schluckauf-Winsel-Salven. Diesen Schlagabtausch zwischen „Hicks“ und „No No! No Blubb!!“ ziehen wir eine beträchtliche Anzahl an Blocks durch. Bis zur Ankunft am Hotel haben wir 3 Muskelkater vom Lachen und der arme Fahrer sicher ein paar Grau Haare mehr. Henry verabschiedet sich, Michelle und ich rauchen eine Gute-Nacht-Zigarette und der No-Blubb-Lachflash begleitet uns bis in die Betten.

What a wonderful day! Definitiv und absolut #MEMORABLE

Veröffentlicht von neckimessergabel

*underconstruction*

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