Der Morgen lässt sich absolut herausragend an: Schon beim Aufwachen fällt mein Blick auf einen makellos schlumpf-blauen Himmel. Dieser und die Vorausschau auf etwas Sonne und zwei weitere freie Tage am Strand lassen mich beinahe fröhlich pfeifend die Beine aus dem Bett schwingen. Aus dem Bad klingt bereits das Klappern von Maddys Kosmetikdöschen an mein Ohr. Ich ziehe mich an und gehe erstmal rauchen & Kaffee holen. Die Luft ist zwar kalt, aber herrlich frisch und der erste Schluck Kaffee schmeckt einfach himmlisch.

Bevor ich Amsterdam am Vormittag verlasse, genießen Maddy und ich aber erst noch einmal dieses herrliche, ausufernde Frühstücksbuffet samt City-Panorama. Diesen herrlich süffigen Frühstücks-Prosecco von gestern klemme ich mir heute allerdings. Ich muss ja gleich hinters Steuer und habe so gar keine Ambitionen in Richtung Diskussion und Konflikt mit der lokalen Rennleitung.

Wenig später lade ich satt und überaus zufrieden meinen Koffer ins Auto, verlasse die Tiefgarage und sortiere mich bei strahlendem Sonnenschein brav und tiefenentspannt in die 100km/h-Schleichkolonne auf der Autobahn. Erster Haltepunkt auf der ohnehin nicht langen Fahrt: Zandvoort. Hierhin habe ich 2023 mit der Family mal einen recht schönen Tagesausflug gemacht und erinnere mich an eine nette Strandpromenade, eine hübsche Altstadt, ein paar farbenfrohe Boutiquen mit allerlei „Drisskes und Scheißkes“ (wie man bei uns daheim sagt) und das ein oder andere schöne Café in der Fußgängerzone.

Neben einem kurzen Spaziergang will ich heute aber auch nochmal die Nase durch den Zaun an der lokalen Rennstrecke stecken und schauen ob was los ist. Wie sich rausstellt: Ist es leider nicht. Es herrscht Totenstille – also abgesehen vom lautstarken Pfeifen des Küstenwindes. Da es also hier und heute wohl kein Motoren-Geröhre für meine Ohren zu erhaschen gibt, ziehe ich weiter. Kleiner Streifzug durch die Geschäfte bevor ich mir abschließend in aller Ruhe einen Cappuccino in einem gemütlichen Straßencafé genehmige. Sonne voll im Gesicht, Kaffeetasse in der Hand, Entspannung & Strand voraus: Es könnte kaum besser sein.

Derlei gut gelaunt mache ich mich an der Promenade entlang auf den Rückweg zu meinem Wagen. Eine gute Stunde später passiere ich den Ortseingang meines Kurzurlaubsdomizils: Noordwijk aan Zee. So klein dieser Ort ist – so schön ist er auch. Direkt am Meer. Kleine Altstadt. Endloser Strand samt zahlreicher und traumhafter Beachclubs. Seit nunmehr Jahrzehnten für mich ein absolutes Seelenschmeichler-Städtchen. Seit meiner Kindheit komme ich bereits her – und selbst nach so vielen Jahren bzw. Jahrzehnten („Oh Gott!“) kann ich nicht anders, als gierig einen tiefen Zug der salzigen Meerluft einzusaugen, kaum, dass ich den Orteingang passiert habe.

Ich parke meinen Wagen vor meinem nach wie vor ungeschlagenen Lieblingshotel und werde sofort von einer strahlenden Rezeptionistin mit den guten Neuigkeiten begrüßt, dass mein Zimmer bereits fertig sei – und das um kurz nach Mittag..! Sensationell! Der heutige Tag ist offensichtlich und ernsthaft darum bemüht, mein bester Freund zu werden. Mit Zimmerkarte und Willkommenspäckchen ausstaffiert kann die kurze Auszeit dann auch gleich beginnen.

Ich bringe meine Klamotten aufs Zimmer, lasse mir auch hier nochmal einen Kaffee aus der Maschine, ziehe mich um und trolle mich in Richtung Strand. Erster Halt: Das absolut und indiskutabel obligatorische Heringsbrötchen samt Dosenbier beim alteingesessenen „Fishtruck“ am Deich. Ich muss leider gestehen: Ich habe eine absolut unüberwindbare Schwäche für jede Form vom Fisch- / Bismarck-/ Krabben- und Co.-Brötchen, die es mir wie immer unmöglich machen wird, mich die nächsten Tage nicht ununterbrochen mit diesen Dingern vollzustopfen. Ich habe irgendwie so etwas wie einen zweiten Magen dafür. Ich schleppe meine saftige Beute über die paar Stufen am Deich. Das Meeresrauschen begleitet mich schon seit meiner Ankunft, aber dieser eine kurze Moment, wenn der höchste Punkt des Deichs endlich den Blick freigibt auf das Meer und den Horizont: DAS ist es. Das wird für mich immer etwas ganz Besonderes bleiben – egal wie oft ich genau diesen Weg schon genau hier und genau so erlebt habe.


Selig will ich mich auf einen Stein in den Dünen fallen lassen und mein Brötchen genießen … Doch kaum hab ich die Futterluke aufgesperrt um den ersten herzhaften Bissen zu nehmen, treibt mit eine ordentliche Böe eine ebenso ordentliche Portion Sand zwischen die Zähne. Na toll! Hier kann ich unmöglich essen – es ist einfach zu windig. Im wahrsten Sinne des Wortes „zähneknirschend“ schleiche ich die paar Meter zurück und finde eine freie Bank hinter dem Deich. Hier hab ich zwar keinen Wind, der sich mit mir um mein Mittagessen zankt – dafür aber einige überaus freche Möwen, die mein Brötchen fast gieriger anstarren als ich selbst. Da ist jetzt dann wohl Schnelligkeit gefragt.

Nach wenigen Sekunden ist somit das erste Fischbrötchen des Jahres auch schon gierig verschlungen und während ich mir noch die Finger ablecke, bewege ich mich bereits wieder die Stufen hoch in Richtung Strand. Dort mache noch einen kurzen Spaziergang (die Langversion ist für Morgen geplant), drehe aber alsbald bei, orientiere mich Richtung Ortskern und stöbere in aller Seelenruhe durch die kleinen Läden. Hier und da werde ich fündig und schleppe alsbald hochzufrieden ein paar kleine Tüten zurück zum Hotel. Dort erwartet mich eine mehr als ausgiebige heiße Dusche, gefolgt von einem kleinen 5-Sterne-Schläfchen bei geöffneter Balkontür und Meeresrauschen. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt so entspannt gewesen wäre – geschweige denn so gut geschlafen hätte.

Derlei beflügelt putze ich mich anschließend angemessen für Drinks & Dinner im ausnehmend schönen Ambiente des Hotels heraus. In weiser Voraussicht hatte ich daheim sogar ein paar hohe Hacken eingepackt, die jetzt freudig raus aus dem Regal und ran an die Füße gezogen werden. Das Hoteleigene Restaurant hat bereits vor Jahren eine Michelin Empfehlung bekommen – Die Spezialität des Hauses: Fleisch. Präzise: Steaks. Dementsprechend groß ist meine Vorfreude. Doch schön alles der Reihe nach…! Erstmal warmlaufen. Und wie könnte das besser gehen als bei einem Gläschen Rosé-Champagner an der Bar..?! Genau – Gar nicht! Also sprudelt nur einen Wimpernschlag später das feinperlende Gesöff vor meiner Nase. Unglücklicherweise ist das Fischbrötchen bereits einige Stunden her und somit restlos abverdaut – was dazu führt, dass ich die Lampen schon ein wenig an- bevor ich das Gläschen aus habe.  Aber was soll´s !? keine Termine und leicht einen sitzen: Allgemein-bekanntlich der weltbeste Zustand.  

Ich begebe mich zu meinem Tisch und studiere das Menü, zu dem mein Magen freudige Zustimmung knurrt und die Gusche mit erhöhtem Speichelfluss beipflichtet. Alles an mir ist mehr als angetan und ich freue mich jetzt wirklich sehr auf das Essen. In meinem Kopf dreht die Edelbrause weiter lustig Ihre Kreise – was mich jedoch nicht davon abhält zum Steak noch ein Glas dunklen, schweren Rotwein zu bestellen. Die nächste Stunde wird bestimmt von drei absolut herausragenden Gängen: Steak Tartar. Steak am Stück. Käse.

Den Abschluss markiert – neben einem tiefen Seufzer und einem geöffneten, obersten Hosenknopf – ein kleiner Absacker an der Bar. Nach Steak & Scotch bin ich wenig später heilfroh nicht mehr machen zu müssen, als erst zum Aufzug und danach ins Bett zu rollen.

Auch jetzt beim Einschlafen bleibt die Balkontür einen Spalt breit auf, trotz klirrender, gefrierpunktnaher Kälte. Ich ziehe lieber die Decke etwas enger um mein Gesicht als auf das nächtliche Rauschen des Meeres zu verzichten, dass mich alsbald in einen tiefen Schlaf begleitet.

Let´s call it a wonderful day.

Morgen erwartet mich dann Strand, Strand und noch mehr Strand.

Aber soweit war’s definitiv schonmal #MEMORABLE

Veröffentlicht von neckimessergabel

*underconstruction*

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  1. Avatar von Unbekannt

1 Comment

  1. Wie immer eine wunderschöne Beschreibung eines wunderschönen Urlaubstag es. Besser geht nicht 😁♥️

    Papa

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