Der Dienstag Morgen lässt sich gut an. Schon in der Früh herrscht – zumindest bei mir – heitere Aufbruchstimmung. Die nicht allzu freudvolle Endlosfahrt vom Vortag ist im Wahrsten Sinne des Wortes „Schnee von Gestern“ und der kleine Morgenplausch mit Mama bei einer großen Tasse Kaffee bildet genau den richtigen Rahmen für einen guten Start in ein paar schöne Tage.

Wenige Stunden später allerdings stellt sich bereits zum ersten Mal die Frage, wann genau die schönen Tage denn anfangen..? Im Auto einmal mehr Konferenzchaos – es wird etwas hektisch. Da hilft auch das Trance-förderne Tempolimit von 100km/h hinter der holländischen Grenze nix. Einsetzender Regen komplettiert die Szene. Als ich kurze Zeit später in Amsterdam ankomme, ist der Tagestiefpunkt zum Greifen nah: Die Einfahrt zum Messeparkhaus ist versperrt, meine Blase steht kurz vor der Supernova, der Regen hat zugenommen und ein äußerst unerfreuliches Telefonat mit meinen Chefs komplettiert das grau-triste Ensemble.

Ich gebe mein Bestes, letzteres gedanklich zur Seite zu schieben, denn jetzt erwartet mich erstmal ein Brunch mit einem alten Freund, den ich schon viel lange nicht mehr gesprochen, geschweige denn gesehen, habe. Als der Kellner mir also keine 10 Min und einen feuchten Fußmarsch später eine heiße Tasse schwarzen Kaffee hinstellt und Henry mir ein längst überfälliges Life-Update gibt, hebt sich meine Laune zügig. So kann’s weitergehen…!

Leider muss Henry schon viel zu bald zurück ins Büro, aber dafür ist Maddy im Anflug. Dieser „Good-Company-Staffelstabübergabe“ freudig entgegensehend, ziehe ich also vom plüschigen Hotelsofa weiter ins nächstgelegene Restaurant – quasi von Brunch zu Lunch. Lange warten muss ich nicht, denn schon wenig später betritt auch Maddy die Bühne – Nass wie ein Pudel, semi-leise vor sich hin fluchend, aber strahlend. Wir geben unsere Bestellung auf. Dabei fällt mein Blick auf eine Neonschrift hinter der Bar und ich beschließe, dass Amsterdam genau DAS sein wird.

Und genau so geht der restliche Tag dann auch ins Land: Eine hocherfreuliche und leicht verdauliche Mischung aus Stadtbummel, Kaffeeklatsch, schönen Lokalitäten (Interior Design haben sie drauf, die Holländer), und der ein oder anderen Überraschung. In den Schaufenstern türmen sich Handgroße-Mini-Goudas, in den Souvenirläden beherrschen Gartenzwerge mit weit ausgetrecktem Mittelfinger und allerhand Kuriositäten das Geschehen.

Und wo das Auge hinschaut: Blumen, Farben und wunderschöne alte Häuser. Einige so schief, dass einem doch Zweifel an der Rest-Statik kommen könnten. Jeder Spaziergang hier ist begleitet vom allgegenwärtigen leichten Dunst leichter Halluzinogene – Herrje, raucht denn hier jeder Gras? Das ist ja fast schlimmer als in Venice! Da wird man ja schon vom Hinterherlaufen breit. 🙂 Auch das Hotel zeigt diesbezüglich Humor.

Am Dienstag Abend gesell sich Henry nach dem Essen nochmal zu uns. Eigentlich wollten wir nur noch EINEN Absacker nehmen – aber wie das immer so ist, bleibt es diesbezüglich auch beim Vorhaben. Denn kaum neigt sich mein Glas – mit wirklich vorzüglichem japanischen Scotch – zur Neige, unterbreitet uns Henry den Vorschlag noch eine andere, etwas speziellere, Bar zu besuchen. Maddy und ich sind eigentlich hundemüde – aber meine Neugier ist schnell geweckt. Ich bin ja immer dafür zu haben sich von einem „Resident“ die wirklich guten Plätze zeigen zu lassen. Und da Else ermutigend irgendwas von „Ausschlafen“ und „keine Termine Morgen“ daher plappert bin ich schnell überzeugt.

Draussen hilft der Wind dabei uns etwas zügiger ein paar Querstraßen (oder sollte ich „Grachten“ sagen?) weiter zu befördern. Irgendwann bleibt Henry einfach stehen und schenkt uns einen vielsagenden Blick. Maddy und ich hingegen schauen uns nur blöd an – und um. Hier ist nix. Keine Bar, Kein Lokal – kein Gar nix. Gegenüber flackert das Eingangsschild eines „Fahrradparkhauses“ – aber sonst: Fehlanzeige. Gerade als ich denke „Die Bar scheint es nicht mehr zu geben“ klopft Henry an eine unscheinbare Tür.

Einmal. Zweimal. Nichts tut sich. Wir wollen uns gerade schon zum Gehen wenden, als ein kleines Fenster in der Tür geöffnet wird und ein Gesicht fragend in unsere kleine Runde schaut. Ich erwarte, jetzt nach dem berühmten „Passierschein A38“ gefragt zu werden. Die beiden Jungs quatschen kurz in Ihrer Muttersprache (Maddy und ich verstehen nur Bahnhof) aber: Henry scheint das richtige Codewort parat gehabt zu haben, denn die Tür wird geöffnet. Dahinter: Einfach nur Staunen. Schwere grüne Samtvorhänge geben nach dem Eintreten den Blick frei auf eine Bar, wie sie in den goldenen 20ern nicht schöner hätte sein können. Kleine runde Nischentische, dunkle Tapeten, goldene Wandlampen, alte Bilder und Barkeeper mit Schürzen bestimmen die Szenerie.

Wir werden an einen kleinen runden Tisch im hinteren Teil der Bar geführt. Ich kann mich gar nicht satt sehen – geschweige denn für einen der sehr ungewöhnlichen Cocktails auf der Karte entscheiden. Ich tue das für mich naheliegendste und bestelle den abstrusesten Cocktail den ich auf die Schnelle finden kann bzw. lasse mich vom Bartender beraten. Am Ende wird es ein Gebräu aus Scotch, Ingwer, Sellerieessenz, irgendwelchen Kräutern und Ölen (?)…. Meine Gefährten treffen ihrerseits eine ähnlich spezielle Wahl. Obwohl der Laden bis auf den letzten Platz besetzt ist lassen die Drinks nicht lange auf sich warten. Alleine der Geruch, der aus meinem Glas empor steigt ist irritierend und betörend zugleich. Der Geschmack steht dem in nichts nach. Wie eine goldene, flüssige und konsumierbare Form von Zeitreise… Wahnsinn! Und das alles hinter einer so unscheinbaren Tür. Was für mich wieder einmal den alten Spruch bestätigt „Don´t judge a book by its cover“ …

Am nächsten Morgen erwische ich mich selbst jedoch dabei, wie ich dabei bin allzu vorurteilsbehaftet das „Cover“ einiger Mitmenschen zu bewerten. Tatort: Frühstücksbuffet. Maddy und ich haben ausgeschlafen und sind alsbald hungrig und mit den Füßen scharrend im Frühstücksraum aufgelaufen. Erstmal ein großartiges Set-Up: 17. Stock, 360° komplett verglast, Tisch am Fenster, Bomben-Ausblick über die Stadt, nahezu blauer Himmel, Prosecco und eine kaum überschaubare Auswahl an allerlei Köstlichkeiten. Läuft.

Was auch läuft sind allerlei „Menschen“ um uns rum. Gefühlt 200 sehr junge Damen in teilweise ebenso freizügigem wie fragwürdigem Aufzug plündern Klischee-gerecht alles was entweder grün ist, aus Haferflocken besteht oder mit Puderzucker bestäubt ist. Im ganzen Raum herrscht maximaler Östrogenüberschuss – Parfumwolke inklusive. Wie sich rausstellt, ist hier die diesjährige Nachwuchs-Abordnung des Hunkemöller-Konzerns zum Messebesuch angerückt. Und so bekommen Maddy und ich bei Kaffee und Prosecco GANZ tiefe Einblicke in die Genrenation Z. Der Gesprächsstoff für den Rest des Frühstücks ist gesichert.

Den Tag verbringen wir wieder in der Stadt. Am Nachmittag muss Maddy für ein paar Stunden „anne Schüppe“ – man ist ja schließlich nicht zum Spaß hier. Die kleine Auszeit verbringe ich im Gym. Ich hab seit Wochen keinen Sport gemacht und schnaufe nach den ersten Übungen wie eine Dampflok. Aber sauber durchgezogen geht es danach ans „Sauber machen“ – ich nutze das Bad für mich allein für ein bisschen Self Care und ein kleines Nachmittagsschläfchen. Einfach Herrlich.

Am Abend ziehen wir nochmal los – Essen & Drinks dürfen natürlich auch heute nicht fehlen. Wir machen allerdings den Fehler, uns zum Essen (in wirklich einmal mehr absurd schönem Ambiente) eine Flasche schweren Rotwein zu bestellen. Die schmeckt zwar hervorragend, knipst uns aber nach einem langen Tag voller frischer Luft und Sport bzw. Arbeit dann auch ziemlich schnell die Lichter aus. Müde rollen wir von unseren Stühlen und zurück ins Hotel. Let´s call it a day!

Morgen geht´s dann für mich weiter ans Meer ….

#moveofthedaystinkefinger

#drinkofthedaysomethingspecial

#kleinesfenstergrosseserlebnis

#thegolden20ies

#flashback

#ingoodcompany

Definitiv alles hier #MEMORABLE

Veröffentlicht von neckimessergabel

*underconstruction*

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