Die erste Woche vergeht … leider nicht allzu zügig. Die ganze Nummer hier ist wirklich nichts für Anfänger. Die ersten Tage bestreiten die Gäste aus Fernost. Japan um präzise zu sein. Und wer auch immer von Euch schonmal mit internationalem Auditorium zu tun hatte wird wissen: Dort in Japan gehört es zum guten Ton, einfach überhaupt nichts an Emotion zu zeigen.

Und so steh ich gleich am ersten Tag vor den japanischen Teilnehmern, reiße mir buchstäblich den Arsch soweit auf, dass dort bequem ein 40-Tonner durchfahren könnte und bekomme – zumindest von diesen ersten Gruppen – absolut GAR NICHTS in Retoure. Kein Lächeln, kein Zwinkern, keine Fragen. Ein Alptraum für einen Vortragenden. Aber ich nehme es mangels Alternativen mit Humor, kneife die Arschbacken zusammen und ziehe die ersten 5 Tage und 20 weitere Gruppen einfach durch. Was soll’s..?! Dann mach ich die Show eben für Else.

Montag, Dienstag, Mittwoch, … Die Tage gehen ins Land, das Murmeltier und ich schließen nach anfänglichem Krach Frieden, Mein Hirn weiß allzu bald nicht mehr, in welcher Runde ich was bereits erzählt habe, Else spielt Borderliner zwischen Lachkrampf und blanker Verzweiflung und nach jeder Stunde ist der Schlussapplaus der Gruppen immer wie 3 Wochen Hawaii für meine Ohren. Wieder eine weniger. Noch 39, 38, … 30 ….

Irgendwann füge ich mich gefühlt nahtlos in den nicht enden wollenden Loop aus EMails, Vorträgen und Stau. Meine Fresse – was steht man hier im Stau…!!! Die Stadt kommt mir vor ein permanenter Verkehrsinfarkt. Egal ob Autobahn, Haupteinfallstraßen oder allgegenwärtige 6 spurige Kreisverkehre (ohne jede Spurmarkierung versteht sich) – hier steht ALLES. Das ist fast noch schlimmer als Los Angeles und raubt mir (besonders am Abend) die letzten Überreste meines ohnehin stark geschröpften Nervenkostüms.

Aber WENN es dann mal voran geht . Ja DANN..! Dann fahren sie alle, als hätten sie 7 Leben. Hier wird eindeutig der im Querschnitt der Verkehrsteilnehmer allgegenwärtige Mangel an Motor-Leistung durch den lebensmüden Fahrstil der Kleinwagenkutscher ersetzt. Aber der Mensch an sich ist und bleibt eben ein bemerkenswertes Konstrukt: Nach wenigen Tagen hat man sich angepasst – und sich ebenfalls 6 weitere Leben in den High Score geschrieben. Wenn nu im Kreisverkehr mal wieder ein solch bemannter Rasenmäher meint, von ganz innen einfach ohne zu blinken todesmutig meine Spur kreuzen zu müssen und Richtung Ausfahrt knallt zuckt bei mir nichts mehr – nichtmal mehr der Mittelfinger.

Das erste Bier am Abend beim Empfang, nach den 70-90 Minuten täglicher Dosis des Typs „Nahtoderfahrung Verkehr“ wird schon in den ersten Tagen zur Rettungsboje für mein geschundenes Oberstübchen. Doch immer nur genau bis zur Eröffnung des Buffets – denn was ich anfangs gar nicht überrissen habe ist, dass sich die Endlosschleife nicht nur auf die Trainings, sondern auch auf das Essen bezieht. *lacht*

Jeden Mittag und jeden Abend erwartet uns die gleiche Menufolge. Da die Teilnehmer täglich wechseln, ist das für eben Diese kein Problem. Meine Jungs nehmen es mit Humor und eröffnen an Tag III eine Paella-Challenge. Ich gleiche den Mangel an Abwechslung zunächst gekonnt mit Oliven, Schinken und Wein aus – doch nach ein paar Tagen mit Pasta in Käsesauce am Mittag und Paella am Abend muss ich im Supermarkt doch irgendwann mal Bananen, Obst und etwas Rohkost tanken. Alles Andere schrabbelt mir hier eindeutig zu nah am Skorbut entlang.

Irgendwie schaffe ich es, mich an ein paar Bananen entlang bis zum Freitag zu hangeln. Das heißt nicht nur, dass die Halbzeit dieses Maloochen-Matches in greifbare Nähe rückt, sondern ebenso meine Freundin Maddy. Die Gute hat sich übers WE angekündigt, um mich in Madrid zu besuchen und mentale Schützenhilfe zu leisten. Darauf freue ich mich sehr. Ein paar Tage Auszeit und Sightseeing für sie – ein bisschen Ablenkung am Abend für mich. Bin sehr gespannt, was das WE sich für uns ausgedacht hat.

*to be continued*

Veröffentlicht von neckimessergabel

*underconstruction*

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