Es geht mal wieder los. Die nächste Dienstreise steht vor der Tür, klopft eindringlich und beginnt schließlich an einem recht ungemütlichen und trüben Sonntag Nachmittag. Madrid… ich komme..!

Das Packen bereitet mir etwas mehr Kopfschmerzen als sonst: Knapp 2 Wochen, diverse Verpflichtungen, maximal wechselhaftes Wetter, der deingende Wunsch mal wieder ein Gym zu nutzen und allumfassende Textilblindheit („ich hab gaaaar nichts anzuziehen“) machen die Kleidersuche etwas umfangreicher. Aber irgendwann hab ich das Gefühl, alles dabei zu haben. Abends geht es mit durchaus durchwachsener Laune zum Flughafen.

Die lästigen Formalitäten sind schnell abgehandelt. Die Mühle ist mal wieder bumsvoll – aber für nichtmal 3h Flug komm ich prima mit meinem Plätzchen in der Eco zurecht. Wäre da nur nicht die dauerhafte Beschallung mit wütendem Babygeschrei ab Boarding. Ich war selten so dankbar für den ANC Mode meiner Kopfhörer!!

In Madrid angekommen geht alles recht fix. Es schon kurz vor Mitternacht – da ist hier nichtmehr allzu viel los. Einreiseformalitäten: Nicht existent. Koffer: Beide da – Easy. Taxi: Direkt vor der Tür. Hotel Check in: Leer. Läuft..! Dachte ich ..

Doch der Portier belehrt mich eines Besseren und weist mich umgehend auf die etwas beengten Verhältnisse der gebuchten Zimmerkategorie hin. Mir schwant böses….

Spesenbudgetrestriktion in allen Ehren – eigentlich bin ich auch durchaus genügsam und komme in den meisten Wohnklos mit Schlafgelegenheit gut zurecht – für eine Nacht oder ein Wochenende. Aber bei 12 Nächten…?! Da mag dann auch ich mich mal mehr als nur um die eigene Achse drehen.

Somit erste Amtshandlung nach persönlicher In-Augenachein-Nahme: Upgrade – auf eigene Rechnung versteht sich. Alternativlos. Der gebuchte Schuhkarton hätte innerhalb kürzester Zeit zu einem Lagerkoller mit mir selbst geführt.

Als ich die neue Zimmertür hinter mir schließe ist es bereits kurz nach 01:00 Nachts. Ich bin todmüde – aber mein innerer Monk kriegt es, auch unter Elses lautestem Protest, nicht auf die Kette, den Koffer einfach in die Ecke zu treten. Somit packe ich erst noch aus bevor ich schließlich bäuchlings aufs Bett falle.

Der nächste Morgen startet früh. Als der Wecker mich um 06:30 zum Aufwachen bewegen will bin ich noch gar nicht fertig mit schlafen. Genau gesagt bin ich todmüde und in meinem Kopf hallt die ersten Sekunden nichts weiter, als Elses lautstarker Protest. Ja schon Recht – ich habs ja verstanden. Der späte Flug war nicht die allerbeste Idee. Botschaft angekommen – kommt nicht wieder vor.

Aber all das Gemaule hilft nix. Aufstehen ist angesagt. Ein durchaus strammes Programm streckt seine Finger nach mir aus. Immerhin ist dieser Trip alles andere als Urlaub – präzise formuliert könnte es nicht weiter davon entfernt sein. In meinem Kopf ertönt irgendwie sogleich das Echo der warnenden Stimme meines Kollegen von letzter Woche…. „Weißt Du überhaupt, worauf Du Dich da eingelassen hast…?“ Nun ja – gute Frage, wusste ich das? Sagen wir es mal so: In der Theorie schon. Ich bin hier als Trainerin bzw. Produktexpertin auf dem alljährlichen „BMW M Handels-Zertifizierungstraining“. Meine konkrete Aufgabe hier: Grob geschätzt 1.200 BMW M Verkäufer auf „mein“ Auto zu schulen. (Die meisten von Euch wissen ja eh, dass ich das als Produktmanagerin für den BMW XM bei der BMW M GmbH arbeite…)

Im Grundsatz ist das SetUp hier ähnlich dem vieler anderer Trainings, die ich in der Vergangenheit schon bespielt habe: Ein gesamter Durchlauf beinhaltet für einen Teilnehmer insgesamt 8 Trainingseinheiten, aufgeteilt auf 2 halbe Tage. 4x Fahren, 4x Theorie. Eine dieser Theorie-Einheiten absolvieren die (zumeist) Herren bei mir, den Rest bei meinen Kollegen. Aus der ganzen Welt kommen die Jungs für dieses Programm an den „Jarama Racetrack“ in Madrid. (Japp, da hab ich auch blöd geguckt. Ich wusste auch bis letzte Woche nicht, dass Madrid eine Rennstrecke hat…). Hier werden die großen Reisegruppen (120 Personen / Tag) dann in sozial verträgliche, 30 Mann starke Untergruppen eingeteilt und durchlaufen dann in einem ausgetüftelten, rollierenden System Ihre Trainings.

Für mich – und alle anderen Trainer – heißt somit das tägliche Programm: Aufstehen, Kaffee, Sport, Anziehen, aus dem Stadtzentrum zum Racetrack im Norden rausfahren (30 Min), Begrüßung der Teilnehmer, 4 Trainings a 1h direkt hintereinanderweg abreißen, kurz mal schütteln, im Voll-Chaos-Stau wieder nach Madrid reinfahren (70 Min), schnell umziehen und vermeintlich frisch bei der obligatorischen Abendveranstaltung, bestehend aus Empfang und Dinner bis weit in den Abend hinein, einen guten Eindruck machen …. und sich dann final irgendwann mit einem „Polnischen“ Abseilen. Da muss man echt aufpassen, den rechten Moment zu erwischen. Wenn die Händler vom Dinner an die Hotelbar wechseln und man dann nicht weg ist, ist man geliefert. Dann gibts am nächsten Tag von Kopfschmerzen bis Grippe alles – aber sicher kein gutes Training.

Soviel also zum Gesamtprogramm und Ablauf. Der ganze Spaß ist quasi eine endlose Wiederholsequenz – 11 Tage am Stück. Persönliche Verteilzeit: Fehlanzeige. Stadt angucken: Fehlanzeige. Quasi „täglich grüßt das Murmeltier – und zwar 4 Mal am Tag. Das ist eindeutig nur was für Fortgeschrittene. Mein Kollege, seines Zeichens eine Trainerlegende, und zwar hauptberuflich, frotzelt eingangs noch „Du wärst die Erste „nicht professionelle Trainerin“, die DAS Pensum zwei Wochen lang ohne Ablöse durchzieht. Wenn Du das schaffst, schick ich Die danach eine gute Flasche Wein“ Klare Ansage – und für mich ein klassischer #HOLDMYBEER Moment. Challenge Accepted.

Mich an diese Konversation erinnernd schwinge ich an diesem ersten Morgen schlussendlich das müde Fahrgestell aus dem Bett, schäle mich in meine beste Jogginghose und wackel erstmal runter ins Restaurant. Primäres Ziel: KAFFEE!!! Das Zeug was mir der Maitre kurz darauf auf den Tisch knallt ist zwar schön heißt, aber so unfassbar sauer und bitter zugleich, dass meine Geschmacksnerven erstmal ordentlich zusammenzucken. Aber sogar diese nahezu untrinkbare Brühe tut Ihre Pflicht und wenig später kann ich nach einer heißen Dusche dann auch in meine Dienstklamotte springen und mich auf den Weg zum Racetrack machen.

Heute muss ich ja erstmal die Umgebung abklopfen. Der Track, der mir zugewiesene Raum, Orga Office und Technik wollen begutachtet werden. Unangekündigte Scherereien kann ich hier genauso wenig brachen wie Halsschmerzen. Bin sehr gespannt, was mir da so die nächsten 2 Wochen passieren wird….

*to be continued*

Veröffentlicht von neckimessergabel

*underconstruction*

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