Ich erwache aus einem märchenhaften Tiefschlaf. Nicht ganz so früh wie sonst, dafür aber mit dezentem Schädelweh. Kunststück bei der Menge Wein gestern… Aber der Abend war die leichte Linsentrübung heute Morgen absolut wert. Ich schwinge den Kadaver aus dem Bett und runter in die Küche, wo ich bereits fröhlich begrüßt werde. Manuela und Michael sind schon auf und die Kaffeemaschine blubbert bereits. Perfekt! Kurz darauf dampft in meiner Hand ein großer Becher mit extra starkem Kaffee. Derlei bestens ausstaffiert verziehe ich mich auf die Terrasse, um erstmal das zweite Auge anständig aufzumachen. Bis dato hab ich eher das Gefühl ich sehe aus wie Karl Dall.
Die Luft ist frisch und duftet herrlich. Ich freue mich auf den vor mir liegenden Tag, der nach einer heißen Dusche auch alsbald losgehen kann. Eigentlich wollte ich am Vormittag los, doch irgendwie waren wir hier alle noch gar nicht fertig und haben noch herrlich mächtig weiterzuklönen. Wir beschließen, meine Abreise noch etwas zu verschieben und fahren gemeinsam Richtung Temecula Valley / Downtown, um dort noch zusammen zu Mittag zu essen. Auch hier sieht es aus, als wären die Uhren vor einiger Zeit stehen geblieben. Ich mag das ja sehr – viel lieber als die ollen Großstädte, die eh alle gleich aussehen. Heute ist Markt im Valley, was dazu führt, dass die einzige Durchgangsstraße völlig verstopft ist und es ein paar Minuten braucht, bis wir mit 2 Autos einen Parkplatz gefunden haben. Dafür ist der dann aber immerhin gleich vor dem Lokal. Auch nicht schlecht.
Auf der Karte bin ich hin und her gerissen – es klingt alles amerikanisch solide und fabelhaft. Mittlerweile an die Portionsgrößen gewöhnt, bestelle ich nur eine Vorspeise samt Beilagensalat, lasse mich aber dazu überreden noch eine andere Vorspeise zu teilen: Fried Pickles – was soviel heißt, wie saure Gurken paniert und frittiert. Ich bin zugegebenermaßen zunächst etwas skeptisch – aber ich probiere son Zeug ja für mein Leben gerne. Und was soll ich sagen? Die Dinger sind absolut göttlich! Wer auch immer eine Fritteuse daheim hat möge das mal ausprobieren!
Als mein Hauptgericht (= Vorspeise, wir erinnern uns!) an den Tisch getragen wird, bin ich froh, mir nichts „Richtiges“ ausgesucht zu haben. Auf meinem Teller liegen 6 halbe große Kartoffeln, halbwegs ausgelöffelt, der Hohlraum aber mit – grob geschätzt 6 Fäusten voll – Pulled Brisket aufgefüllt. Natürlich alles mit Käse überbacken, dazu Tomaten und ein Pott Sourcreme. Ist das geil! Ich kann wie üblich nur einen kleinen Teil davon vertilgen bevor ich mich satt und zufrieden ins Polster zurücksinken lasse, aber so hab ich gleich noch mein Mittagessen für Morgen mit abgehandelt. Doggy Bag sei Dank. (In dem verschwinden auch noch einige von den sauren Gurken…)

Wenig später mache ich mich auf den Weg. Die letzte Etappe dieser Reise steht auf der Matte und führt mich ins nicht weit entfernt liegende Carlsbad. Hier war ich Ende letzten Jahres – nach einer Dienstreise – schonmal für ein paar Tage und habe es als durchaus „wiederholenswert“ empfunden. Kleine Stadt. Nette Lokale. Hotel gleich am Strand. Sundowner auf der Sonnenterrasse. Kaffemaschine im übergroßen Zimmer. Schöner Firepit im Innenhof – und Kaminfeuer mit Zeitschaltuhr im Zimmer. Besser geht einfach nicht. Als ich mein Ziel erreiche, stelle ich fest, dass sich in den letzten 12 Monaten so rein gar nichts verändert hat – was mich äußerst zufrieden stellt, als ich mein Zimmer beziehe.
Die nächsten zweieinhalb Tage tue ich mehrheitlich absolut …. GAR NICHTS. Ich stelle keinen Wecker, schaue auch sonst kaum auf die Uhr, gehe kilometerweit am Strand spazieren, hole mein Essen fangfrisch im „Harbour Fish Cafe“ gleich gegenüber, fläze gemütlich mit einem dicken Buch auf der Sonnenterrasse oder liege faul auf meinem Handtuch am Strand, schaue mir verzückt jeden Sonnenuntergang an und sitze am Abend stundenlang mit einem Bier am Firepit, bevor ich in mein Bett verschwinde, wo dann nahtlos mein hauseigenes Zimmer-Kaminfeuer den Einschlafprozess begleitet.


Es ist einfach herrlich. So herrlich, dass ich überhaupt keine Lust habe nochmal ins Auto zu steigen und irgendwo hin zu fahren – Nicht mal mehr zum Einkaufen.
Genau so geht ein wunderbarer Urlaub langsam aber sicher zu Ende. Morgen erwartet mich dann auch schon der finale Abreisetag mit all seinen Challenges und kleinen Alpträumen. Aber für den Moment schiebe ich den noch ganz weit weg und rücke noch ein bisschen näher ans Feuer.

What some wonderful days!
Faul bis zum Gehtnichtmehr – aber dabei auch irgendwie #MEMORABLE