Am Morgen werde ich recht früh, aber durchaus nicht uncharmant und sanft vom Meeresrauschen vor meinem Fenster geweckt. Ich hatte über Nacht das Fenster einen Spalt breit offen um das gleichförmige Brandungsgeräusch in vollen Zügen genießen zu können. Wozu sonst hat man schließlich ein Zimmer mit Meerblick gebucht? Leider hab ich dabei wohl die Rechnung mal wieder ohne die Temperaturen gemacht. Leck mich fett – ist das kalt im Zimmer! *brrr*
Noch bevor ich zur Kaffeemaschine auf dem Schreibtisch stakse – sonst immer der ERSTE Weg am Morgen – muss ich mir erstmal was anziehen. So sehe ich auch diesen Morgen wieder aus wie ein Zwiebellook-Zigeuner als ich zum Rauchen runtergehe. Aber die Luft ist wundervoll klar und frisch.
Allzu viel Zeit habe ich allerdings nicht, den Moment und den Ausblick auf die schäumenden Wogen zu genießen. Ich muss langsam los und weiter. Heute ist Meilenfressen angesagt. Umgerechnet knapp 500km erwarten mich auf dem Weg ins Temecula Valley zu meinen Freunden Manuela & Michael. An sich nicht dramatisch , aber auf der Interstate absehbar freudlos. Noch dazu kommt, dass das letzte Drittel der Strecke um und durch L.A. führt. Mal wieder…. *seufz* Da es hier praktisch keine Tageszeit gibt, an der die Stadt nicht einem kompletten Verkehrsinfarkt erliegt, plant google großzügig schon jetzt mit einigen dunkelroten Abschnitten und einer Gesamtfahrzeit von etwas über 7 Stunden – Tanken, Kaffee- und Pinkelpausen nicht eingerechnet. Na großartig – da is dann auch nix mit Scenic Drive und so…. Dann woll mer mal loslegen.
Kaum hab ich das Ortsschild von Cambria passiert, schieben sich dicke weiße Nebelschwaden vor meine Frontscheibe. Da neben dem Fahrwerk auch die Bremsen in diesem Ding hier eher zu wünschen übrig lassen, muss ich die Geschwindigkeit massiv drosseln. DAs ist der Reisezeit wenig förderlich, aber es hilft nichts. Andere Verkehrsteilnehmer oder etwaige Hindernisse kann man erst gute 20 Meter vor dem Kühlergrill ausmachen. Da ist aufpassen angesagt. Doch ein paar Minuten und ein paar Höhenmeter später lichtet sich der Nebel schon wieder genauso plötzlich, wie er gekommen ist. Über mir glänz blauer Himmel und eine noch etwas verschlafen dreinblickende Sonne.


Die Freude über den blauen Himmel währt jedoch nicht lange. Keine halbe Stunde später ist die Sicht und damit die einzige nette Ablenkung der Dauer-Geradeausfahrt nämlich schon wieder mehr als eingeschränkt. Diesmal ist es jedoch kein Nebel, sondern eine handfeste schwarze Regenwolke – befahrbar sozusagen. Dicke Tropfen klatschen mal wieder auf meine Scheibe. Kann das denn wahr sein? Ich fahre jetzt gerade zum dritten Mal innerhalb von 2 Wochen durch den Großraum Los Angeles – und alle 3 Male hat es geregnet. Papas vielzitierter Song „It never rains in California“ verkümmert in meinem Dafürhalten immer mehr und mehr zur Farce und lässt Los Angeles immer noch unsympathischer werden.
Dieser Zustand gipfelt kurze Zeit später in wirkliches, völliges Gemuffel als ich kurz hinter Thousand Oaks auf den großen Stau auflaufe, der – ich erwähne es nochmal – bereits Morgens um 07:45 schon auf der Karte und Straße stand. 12 Spuren – 6 in beide Richtungen – alles steht, oder rollt bestenfalls im Standgas. Bis zum Himmel nichts als 200.000 rote Bremslichter. Ich staune nur noch ganz kurz, als am nächsten (6 etagigen) Autobahnkreuz noch 3 weitere Spuren pro Seite dazukommen, die ebenfalls eine einzige Blachlawine sind. Wir reden hier also von 18 Spuren Stau. Jeden Tag. Den ganzen Tag – wie meine Gastgeber mir später mitteilen. Sehr viel später….

Denn: Eigentlich sind es nur noch irgendwas um die 60 Meilen – aber statt der üblichen Stunde veranschlagt google DREI. In meinem Kopf das alte Lied: Umfahren is nich. Alle wegrammen geht nicht. Somit greife ich hinter mich in die Kühlbox, hole den letzten Eiskaffee hervor, drehe die Musik lauter, versuche mich zu entspannen und das Klagelied meines durchgesessenen Hinterns auf dem Gestühl hier zu ignorieren.
Google hat nicht gelogen – ich brauche wirklich nahezu die veranschlagten drei Stunden. Doch irgendwann bin ich endlich da, werde herzlichst empfangen und tauche ein in einen wundervollen und sehr langen Abend mit tollen Menschen, köstlichem Essen, viel zu Erzählen und gaaaanz viel Wein. In diesem Set-Up und in dieser ganz wundervollen Gesellschaft klönen wir bis spät in die Nacht. Erst gegen 01:00 falle ich, nicht ganz ohne Schwips, in mein riesengroßes, weiches Gästebett.
Let´s call it a day.
Auch dieser war #MEMORABLE