In Cayucos erwacht der Tag mit strahlend blauem Himmel. Leider auch mit äußerst blauen Temperaturen, was einmal mehr dazu führt, dass wir Drei unser Morgenritual aus Kaffee & Zigarette bibbernd in der ebenso schönen wie kraftlosen Sonne auf der Hotelterrasse verbringen.
Heute holen wir unser Frühstück in einem sehr hübschen kleinen Cafe auf der anderen Straßenseite. Die Auswahl ist riesig – die Sandwiches am Ende noch riesiger. Schlussendlich schleppen wir unsere schweren Papiertüten zurück zum Hotel und entscheiden uns heute ausnahmsweise, den Inhalt gleich dort auf der Terrasse zu vertilgen. Der Ausblick aufs Meer ist gerade einfach zu schön. Im Süden der Felsen von Morro Bay im Nebel – im Norden das Pier und die Steilküste.

Irgendwann pfeifft der imaginäre Schaffner zur Einhaltung des Fahrplan. Das ist auch angebracht, denn der Abschnitt des Pacific Coast Highway, der heute die Fahrt dominieren soll, führt uns von Cayucos nach Monterey. Diese Strecke ist meiner beschiedenen Meinung nach das absolut sehenswerteste Stückchen. Umso blöder, dass uns nur wenige Minuten nach der Abfahrt Bekanntschaft mit dem heutigen ZONK des Tages machen. Und der schämt sich nicht, mal wieder weite Teile des Plans zu ruinieren: Der PCH ist ein Stück weiter nördlich gesperrt und nicht passierbar – ziemlich genau am schönsten Stück. Aber damit nicht genug: Die einzige Umfahrung führt über die Interstate im Hinterland, und die wiederum einzige (!) Zufahrt dorthin zweigt schon viele Meilen südlich der eigentlichen Sperrung ab. Ich könnte echt ins Lenkrad beißen – aber wir haben mittlerweile gelernt uns davon nicht die Laune verderben zu lassen. Kleiner Trost: Die sehenswertesten Steilküsten kann man nach der Umleitung dann wiederum von Norden aus anfahren – immerhin..!
Die Interstate ist zwar lange nicht so ein Augenschmeichler wie der PCH, hat aber durchaus auch an der ein oder anderen Ecke seinen Charme. Endlose Weiten, bis zum Horizont angefüllt mit sanften Hügellandschaften fliegen an unserem Fenster vorbei. Die Vegetation wechselt erstaunlich häufig. Es steht fest: Hier scheint das Herz der Kalifornischen Landwirtschaft zu sitzen. Zuerst passieren wir etliche Meilen mit Feldern voller Salat und Kohl inkl. ganzer Hundertschaften an Erntehelfern. Sogar die Luft riecht nach dem Gemüse.
Die Szenerie wechselt abrupt: Nun sind Erdbeeren an der Reihe. Gefühlt eine Stunde lang und quadratkilometerweise nichts anderes als Erdbeeren. Wir fragen uns, ob hier der gesamte globale Bedarf dieser Früchte herangezogen wird…?! Natürlich nur im Spaß – aber der Eindruck könnte in der Tat entstehen. Und schlussendlich erscheint vor unserem Fenster: Wein. Wein – Wein – Wein. Nichts als Wein. Bis zu den weit enfernten Bergen und soweit das Auge reicht reiht sich ein Weinstock an den nächsten. Reihe um Reihe. Meile um Meile. Dazwischen: Unzählige kleine Weingüter. Eins hübscher als das Andere. Zugegeben: Nappa Valley ist ja alles andere als unbekannt und sogar ich selbst habe ja durchaus schon länger Gefallen an kalifornischem Sauvignon Blanc oder gelegentlich auch mal einem Cabernet Sauvignon gefunden. Hier wächst Beides. Mehr, als jemals jemand trinken könnte.

Zwischen diesen ganzen grünen Argarprodukten ist eine Sache aber besonders bemerkenswert: Die Anzahl und Logistik der Wasserrohre, die hier wirklich zu Millionen und Abermillionen in einer Art modularem Baukasten-Steck-System zusammengefügt auf jedem Feld liegen, um den ganzen grünen Wahn- und Irrsinn hier, in Mitten eines sehr trockenen Landstrichs, zu bewässern.
Wir sind noch recht sprachlos als sich die Szene vor unseren Augen abermals verändert. So ganz abrupt hat die Landschaft mal was ganz neues zu bieten: Ölpumpen. (Oder Gas? So genau kann man das aus der Ferne leider nicht erkennen). Meilenweit. Hunderte. Und die meisten stehen still. Wie tote, schwarze Finger säumen sie die Straßen, Täler und Hügel. Eine Geisterstadt voller Pumpentürme. Optisch durchaus weniger ansprechend als die grünen Felder drumrum und in Ihrer grauen, tristen Bewegungslosigkeit beinahe ein wenig gruselig. Was hier wohl mal schief gegangen ist….?
Bevor wir uns jedoch lange an diesem trüben Gedanken aufhalten können, macht der Highway eine lang gezogene Linkskurve – und da ist er endlich! Der Pazifik! Ds Panorama von hier, hoch oben in den Bergen, ist unbeschreiblich. Majestätisch glitzert das Wasser in der Nachmittagssonne – dort wo die Wellen tosend mit ungeheurer Kraft an die Steilküsten schlagen. Das schönste aller Stücke dieser Traumstraße liegt nun direkt unter uns und ich gebe Gas um dem Schauspiel alsbald ganz nah zu sein.

Wir werden nicht enttäuscht, denn es ist tatsächlich möglich, vom Norden aus wieder zum Big Sur National State Park runter zu fahren. Erst südlich davon beginnt die Sperrung. Gott sei Dank. Wäre das jetzt auch noch schief gegangen hätte ich den Pfadfinder-Job an den Nagel gehängt, den Karren angezündet und wäre einfach Prinzessin geworden.
Was jetzt kommt, ist in Worten einfach nicht zu beschreiben. Die Bilder vor unseren Augen lassen uns alle verstummen. Die Brandung schäumt und tost in Ihrem Versuch, die Klippen zu erklimmen. Vor lauter Gewallt ist das Wasser schaumig und brodelt unten zwischen den Felsen. Hier und da stämmt sich noch ein Baum gegen die Naturgewalt – aber alles in allem ist es ein tosendes und in seiner schieren Brutalität wunderschönes Schauspiel. Kein Wort ist im Auto zu hören. Wir alle empfinden in diesen Sekunden einfach nur einen Hauch von Demut und Ewigkeit.


Das muss man einfach gesehen haben – wenigstens einmal in Leben! Und in dieser Sekunde bin ich, noch mehr als ohnehin schon, vollumfänglich angefüllt mit Rührung und vor Allem: Mit Dankbarkeit. Dankbarkeit darüber, das mit meinen Eltern zusammen erleben zu dürfen und in Ihre Gesichter schauen zu können, als sie dieses Spektakel zum ersten Mal sehen ist für mich absolut unbezahlbar. Once in a lifetime! Das nehm ich mit – für immer!
Wir können uns nur ganz schwer losreißen – aber so langsam müssen wir unser Tagesziel erreichen. Der alte Ortskern, früher Dreh und Angelpunkt der industriellen Sardinenfischerei und -Verarbeitung, hat nämlich auch noch Einiges zu bieten. Das will alles ausgiebig besichtigt werden.

Hier, auf der alten „Cannery Row“ gibt es absolut Alles – und davon jede Menge und in allen Farben. Museen, Restaurants, Surfshops, Souvenierläden, aufwendig gestaltete Arcade-Spielhallen und viele sehr bunte Candyshops. In deren Auslagen tummelt sich alles, was schon allein vom Hinsehen einen Hauch von Zahnschmerz auf die Kauleiste zaubert. Jedoch fallen uns 2 Dinge besonders ins Auge: Mit dunkler Schokolade überzogener Bacon und (Ich kann es immernoch nicht fassen): Geröstete Heuschrecken….?! Zur Auswahl stehen die Geschmacksvarianten „Sour Cream“ oder „Bacon & Cheese“ … Ganz kurz bin ich versucht, ein Paket mitzunehmen – aber am Ende überwiegt der Ekel…. *brrrr*

Auf dem längeren Fußweg nach Downtown haben wir noch eine kurze, aber wirklich sehr niedliche Begegnung mit ein paar Ottern – Offensichtlich ein Pärchen. Ich bin sprachlos ob der Größe der Viecher. Die hatte ich mir eher im Hasenformat vorgestellt – hab ich wohl in Bio nicht anständig aufgepasst. Ausgestreckt haben die eher das Format einer dänischen Dogge. Ganz gemütlich treiben die Beiden im Hafenbecken, rücklings, während sie auf Ihrem Bauch gemütlich und geräuschvoll Muscheln knacken, die dann sofort genüsslichst verspeist werden. Das rhythmische *klock-klock-klock* begleitet uns quasi den Rest des Weges zum Restaurant.
What a wonderful day! Absolutely #MEMORABLE