Die nächsten Tage vergehen wie im Flug und in herrlicher, wunderbarer und wunderschöner Gleichförmigkeit. Mittlerweile haben wir Alle längst vergessen, welcher Wochentag angesagt ist – geschweige denn welches Datum und nur mit Mühe kann einer von uns eine Uhrzeit einigermaßen passabel abschätzen. Das Einzige, was die innere Uhr überhaupt noch interessiert ist Hunger, Durst oder Müde. Urlaubsmodus vom Feinsten eben.
Nach den ersten zwei Fahrtagen mit viel Strecke, dem erlebnisreichen Tag in und um L.A. und der anschließenden Nacht in Thousand Oaks war das auch genau so gedacht. Es gibt für diesen, nun folgenden Abschnitt keine konkreten Pläne, nur die jeweiligen Tagesziele: Santa Barbara und Cayucos. Die Fahrstrecken sind deutlich kürzer und somit bliebt viel Zeit für den ein oder anderen Halt am „California 1“ – besser bekannt als „Highway Number 1“ – Papas absolutem Sehnsuchtsziel. Eine atemberaubende Strecke und wahrscheinlich genau deswegen wohl eine der berühmtesten Straßen der Welt. Eine äußerst abwechslungsreiche Fahrt – in weiten Teilen direkt entlang des Pazifik, über die angrenzenden Berge und abschnittsweise auch durch das Hinterland.
Auf dem Weg nach Santa Barbara führt uns der erste Stop nach Ventura. Hier hab ich einen Auftrag zu erledigen. Ein sehr enger Freund bat um das Mitbringsel eines T-Shirts aus einem ganz bestimmten Store, was ich natürlich gerne erledige. Erfolgreich und mit Beute verlassen wir den Laden, beschließen aber noch ein wenig an der Promenade entlang zu schlendern. Auf dem Weg lockt ein kleiner Stand mit Kaffee. Wir erliegen der wenig subtilen Kundenfischerei und lassen uns vom Chrom der Siebträgermaschine wohl etwas zu sehr blenden. Leider hält der Kaffee nicht im Geringsten was das Plakat nur allzu vollmundig, versprochen hat. Von wegen „Worldfamous Italian Coffee“ – Gott, ist das eine saure Brühe! Aber wir sind tapfer und kämpfen uns bis zum Boden der Becher. Es gibt reichlich Ablenkung: Die Aussicht auf das Meer ist herrlich und direkt unter uns tummelt sich auf den Felsen eine Kolonie von .. ja, eigentlich keine Ahnung was. Scheint ne Mischung aus Biber, Eich- und Erdhörnchen zu sein. Zu Dutzenden flitzen die Viecher die Steine auf und ab und geben ein nur allzu drolliges Bild.
Eine kurze Weile später erreichen wir schon Santa Barbara – das Tagesziel. Dort angekommen liegen die Interessen so weit auseinander, dass wir kurzerhand ein paar Stunden getrennt verbringen. Meine Eltern möchten nach „Downtown“ um ein wenig zu bummeln. Mich hingegen zeiht es zum Strand – ich will endlich Sand unter meinen Füßen spüren…! Um sich dort mal n Stündchen in er Horizontalen auszubreiten und etwas gegen die Kellerbräune zu tun ist es nur leider viel zu kalt (Das Wetter hier ist echt ne Bitch dieser Tage). Aber ich finde in einer Strandbude einen freien Beach-Chair: Erste Reihe. Sand. Freier Blick auf den Pazifik. LÄUFT!
Selig bestelle ich ein Bier und das eiskalte Zischen der Dose beim Öffnen entlockt mir ein zufriedenes Seufzen. Die nächste Stunde schaue ich einfach nur aufs Meer. Erst als meine Gänsehaut zum Gehen mahnt, mache ich mich auf den Rückweg. Man will ja schließlich noch was essen und ich bin neugierig, was meine Eltern so erlebt haben. Ich treffe die Beiden im Hotel. Auf Ihrem Bummel durch den Ortskern haben die Beiden ein wunderbares mexikanisches Restaurant aufgetan, in dem das Essen genau großartig ist, wie der Eindruck von außen es hat vermuten lassen. Gott sei Dank! Eine zweite Wundertüte wie die Kaffeebude am Mittag hätte auch echt für schlechte Laune gesorgt. Aber so können wir alle satt und vollgefressen der Nachtruhe entgegen sehen.
Der nächste Morgen lockt mit Sonne und der Aussicht auf einen wunderbaren Abschnitt am California 1. Wir holen uns nur noch schnell Frühstück für unterwegs.
Eigentlich keine große Sache – aber heute gerät der Bagel zur Probe, denn in der Vitrine vor uns ruht das Teig gewordene Äquivalent der Sirenen von Orpheus und Odysseus: Saftig glänzender Schokoladenkuchen mit „Dickmann´s“ Füllung, flüssigem Karamell, Schokoüberzug und Butter-Crumble. Grundgütiger – DAS nenn ich mal Food-Porn! Bevor jedoch einer von uns der Versuchung erliegen kann suchen wir schnell mit unserem Bagel das Weite.

Wie üblich nehmen wir unser Frühstück in Form eines Picknicks am Meer ein. Ein passender Spot ist schnell gefunden und zum Nachtisch gibts einen Spaziergang am Strand. Hier ergibt sich zum ersten Mal die Chance für ein paar wirklich schöne Aufnahmen. Die Stimmung ist ausgelassen – besonders als Mama sehr nüchtern, aber zur allgemeinen Belustigung feststellt „Keine Muscheln – nur Möwenscheiße“


Unser heutiger Nachmittagsstop führt uns nach Pismo Beach. Hier gibt es eine alte Bäckerei, die seit Ewigkeiten original „Grannys Cinnamon Buns“ verkauft. Und die muss ich haben! Scheiß auf die lange Schlange. Schon die 10 Meter Gehweg vor dem Shop duften nach Zimt und Zucker und in der Auslage säuselt jede noch so abgefahrenen Variante des Traditionsgebäcks eindringlich etwas von „nimm mich!“: Zimtschnecken Pur, mit Zuckerguss, mit Nüssen, mit Rosinen, mit Allem und sogar mit Bacon. Auch hier schleppen wir unsere Beute wieder Richtung Promenade um sie dort mit Genuss zu verspeisen. Überflüssig zu sagen, dass die Größe der Teilchen eher mit Honigmelonen zu vergleichen wäre als mit dem heimischen Gebäck.

Am späten Nachmittag erreichen wir unser Tagesziel. Cayucos begrüßt uns mit einem Hotel gleich am Strand. Ein an sich unscheinbares Quartier – aber die Zimmer sind supermodern und wunderschön eingerichtet, der Ausblick auf Morro Bay links und das Fishing Pier ist eindrucksvoll. Wir machen einen kleinen Bummel durch den noch kleineren Ort. Wie sich zeigt, gibt es viele kleine Geschäfte, deren Besitzer und/oder Betreiber durchaus Humor zu haben scheinen.

Schlussendlich beschließen wir den Abend in einem Restaurant nahe des Piers bei Burger und frischem, frittiertem Tintenfisch. Zur Feier des Tages und der Tatsache, dass man hier mal zu Fuß vom Hotel aus hingehen konnte und nicht, wie sonst, den fahrbaren Untersatz hernehmen musste, gibt es heute auch mal mehr als ein Bier – und das sogar irgendwie im Sonnenuntergang.

Leicht angebrütet treten wir ein wenig später den Weg in die Falle an. Schöner kann ein so wundervoller Tag einfach nicht enden.

Absolut #MEMORABLE