Der Morgen in Palm Springs startet so, wie der gestrige Tag geendet ist: Unter einer dicken Staubwolke. Die ersten Sonnenstrahlen haben wirklich Mühe, sich Ihren weg durch den Wüstensand zu kämpfen.

Somit bleibt der Blick auf die Berge zwar immer noch beeindruckend, aber durchaus etwas eingeschränkt.

Beim Morgenkaffee bekommen wir Gesellschaft von einem waschechten Roadrunner. Der scheint sich an unserer Anwesenheit eher nicht zu stören sondern dreht neugierig ein paar extra Runden um uns herum – leider als „Runner“ eben schneller als ich das Handy für ein vernünftiges Bild zücken kann.

Der Morgen vergeht recht entspannt – für meine Eltern beim Frühstück, für mich im Gym. Üblicherweise genieße ich es im Urlaub sehr, Morgens Zeit für die ein oder andere Runde auf dem Laufband zu haben, aber leider habe ich mich in Vegas etwas erkältet und die so entstandene Rüsselpest zwingt mich dazu, diesbezüglich etwas kürzer zu treten. Es bleibt also bei einer kurzen Runde, gefolgt von einer sehr heißen Dusche. Die Tiefenentspannung danach verheißt einen sehr guten Start in den Tag.

Bevor Selbiger allerdings richtig losgehen kann, steht ein kleiner Einkauf auf dem Plan. Meine Eltern hatten nämlich genau 2 Aufträge heute Morgen: Bananen vom Frühstück mitbringen – und die Eismaschine anwerfen. Im Auto stellt sich raus: Beides leider vergessen. Also ab in den örtlichen Walmart. Sandwiches, Kaltgetränke für die Kühlbox und Crushed-Eis werden benötigt. Auf dem Weg zurück zum Auto macht Papa Bekanntschaft mit einem neuen Spielzeug: Der „Einkaufsscooter“ – eine Art elektrisches Mini-Golfkart, eigentlich gedacht für gehandicapte, adipöse oder einfach nur fußfaule Kunden. Schneller als Mama und ich „halt“ rufen können hat Papa sich einen dieser motorisierten Einkaufswagen mit Sitzgelegenheit unter den Hintern geklemmt und dreht lachend ein paar Runden über den Parkplatz. „Sowas will ich zu Hause auch“ tönt es grinsend vom Chefsessel des Gefährts, bevor Papa wieder in unser eigentliches Reisemobil umsiedelt.

Als alle Mann wieder an Bord sind, kann der heutige Reiseabschnitt beginnen. Tagesziel: Oceanside. Das erste Mal an die Küste. Nicht besonders weit, aber sehr schön zu fahren. Leider will das Wetter nicht so recht mitspielen. Es ist und bleibt diesig und bewölkt.

Ein bisschen schade – aber die abenteuerliche Straße, die die Amis von Palm Springs aus Richtung Südwesten in den Berg gekloppt haben ist auch bei nicht so schönem Wetter einiges Staunen wert. Hoch über dem Tal gibt es einen Aussichtspunkt, der die ganze Schönheit der Umgebung offenbart. Meilenweit schlängelt sich der Asphalt durch die Berge, auf dem sich Motorräder und Sportwagen lautstark Ihre Tagesdosis Spaß abholen.

Weiter oben im Gebirge nehmen die Kurven ab, dafür die Bewaldung zu und alsbald müssen wir schon abbiegen Richtung Küste. Schier endlos geht es bergab und ich muss aufpassen, dass mir bei unserem fahrenden Ferienhäuschen die Bremsen nicht anfangen zu glühen. Ich schalte die Automatik einen Gang runter und lasse uns rollen. So lange, bis neben uns eine aufsehenerregende Ansammlung von Viehzeug aus Stahl auftaucht. Eine kleine Vollbremsung später – nicht ohne Protest von der Rückbank – rollen wir auf einen kleinen staubigen Parkplatz.

Hier hat sich, in der Abgeschiedenheit der Berge offensichtlich ein Künstler niedergelassen, den hiesigen Großhändler für Stahlblech und Schweißdraht leergekauft und all seine Phantasien und Fähigkeiten in überdimensionale Skulpturen fließen lassen. Pferde, Drachen, Blumen, Transformer, Esel, Ghostrider, Dinosaurier, Vögel und etliche Marvel Figuren zieren jeden Quadratmeter der umliegenden Hügel – sogar ein Mexikaner beim Kacken ist dabei (oder soll das eine Siesta an einem Kaktus sein…?!)

Die kurze, restliche Fahrt vergeht schnell. Bald sollten wir an die Küste kommen. Doch wenige Meilen vorher traue ich meinen Augen kaum. Der ZONK des Tages zeigt sich heute in der Gestalt von…..? Genau – Wasser! Es beginnt allen Ernstes zu regnen. In dicken, fetten Tropen entlädt sich die heutige Verkörperung des Unfassbaren auf unserer Frontscheibe.

Ich kann es einfach nicht glauben und muss erstmal 2 Min suchen und experimentieren bis ich den Hebel und die Funktionsweise des Scheibenwischers gefunden und bedient habe. Ob das überhaupt jemals jemand vor mir in diesem Mietwagen in Kalifornien schon machen musste?

Ich checke den Wetterbericht. Ab Morgen wieder schönster Sonnenschein, nur ausgerechnet heute, wo wir von den Bergen an die Küste durchstoßen, hat der Spaß ein Loch.

Gleiches gilt für den ersten Blick vom Highway über die Klippen auf den Pazifik: Ein einziges , trübes Grau in Grau. Im wahrsten Sinne des Wortes angepisst legen wir die letzten Meilen bis zum Hotel zurück. Der längere Spaziergang zum naheliegenden Pier: Makulatur. Wir checken ein, laden aus und fahren das kurze Stück nach Downtown. Unsere Runde auf dem Pier lassen wir uns aber nicht nehmen. Bibbernd versteht sich. Mit nicht gerade der hellsten Miene bei den weiblichen Teilnehmern der Reise. Papa ist da schmerzfrei. Sein liebstes Wetter: 18 Grad und Regen von leicht links. Das er damit in dieser Runde (und wahrscheinlich im gesamten Bundesstaat) alleine da steht, versteht sich ebenfalls.

Wirklich schön wird das Wetter heute nicht mehr – aber schlussendlich hört es bald auf zu regnen und sowohl der Himmel als auch Mamas und meine Miene hellen sich auf. Ein Kaffee auf einem Straßenfest mitten auf dem Ocean Boulevard macht die gute Laune wieder ganz. Ein paar km weiter kenne ich ein wirklich sehr nettes Fisch-Restaurant und das wirklich phantastische Dinner dort komplettiert den Rest vom Tag.

Man muss es positiv sehen: Bei dem ollen Schietwetter kann man wenigstens ohne Gewissensbisse schon zu früher Stunde, dafür aber köstlich und reichlich vollgefressen ins Bett rollen.

#nobananas

#dasrentnergokart

#lassdasdinglosundkommjetzt

#alsderfertigwarhattedasganzedorfkeinenschweißdrahtmehr

#wiegehtdennhierderscheibenwischer

#yourfuckingernst

#derzonkdestages

#fresskomavomallerfeinsten

#morgenwiedermehrsonne

Trotzdem #MEMORABLE

Veröffentlicht von neckimessergabel

*underconstruction*

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