Als ich am sehr frühen Morgen die Augen aufschlage, bin ich überrascht über Nacht nicht zur Eissäule gefroren zu sein. Leck mich am Arsch – ist das kalt hier!! Ein Wunder, dass die Küchenstühle (die nebenbei bemerkt aussehen, als wären sie aus dem Vollen geschnitzt – eben typisch „Cabin in the wood lodge style“) keinen Rauhreif drauf haben. Aber ich muss gestehen: Dafür, dass die Wolldecke so dünn war, war sie erstaunlich warm. Noch im Halbschlaf sinniere ich, ob die hier die Wolle wohl aus Yeti-Haaren gesponnen haben….?

Der obligatorische Gang mit Kaffee und Kippe ans Seeufer zum „Designated Smokers Spot“ gereicht für uns 3 nicht wirklich zur Freude. Derartige Temperaturen hatten wir beim Packen für einen Sommerurlaub in Kalifornien nun wirklich nicht auf dem Schirm und so blieb uns keine andere Wahl als zu improvisieren. Das Zauberwort der Stunde heißt: Zwiebellook. So sehen wir zwar alle aus wie die letzten Vollidioten – allerdings ohne den gewünschten Effekt, denn auch die abenteuerlichste Kombination bleibt schlussendlich völlig machtlos gegen das Gebibber.

Mit unserer durchaus fragwürdigen Optik stehen wir allerdings in sehr deutlichem Kontrast zum See. Der hat sich im Glanz der ersten Sonnenstrahlen wirklich wunderschön rausgeputzt. Eine absolut malerische Kulisse, bis zum Rand voll mit Country-Style Romantik, begleitet unseren Morgenkaffee und entschädigt für alle Frostbeulen.

Derlei besänftigt kann dann auch alsbald die Weiterfahrt angetreten werden. Das Tagesziel: Palm Springs. Die Route führt uns über den Joshua Tree National Park durch den Fox Canyon und schlussendlich über Bombay Beach – Letzteres mein absolutes Highlight der gesamten Reise. Auf den Tag heute freue ich mich seit Wochen am Meisten und besonders darauf, meinen Eltern die Magie dieses einmaligen Fleckchens, an dem es mir schon so oft die Sprache verschlagen hat, zeigen zu können.

Entsprechend gut gelaunt vergehen die ersten Meilen in der Anfahrt zum Joshua Tree wie im Flug. Auch heute wohnt beeindruckendes Panorama gleich Tür an Tür mit diversen Kuriositäten.

Alsbald erreichen wir das Gate, bezahlen die Durchfahrtsgebühr und schon sind wir drin im Joshua Tree National Park. Dieser Park hat, auch in der für mich bereits vierten Durchfahrt innerhalb der letzten 2 Jahre, absolut nichts von seiner Faszination eingebüßt. Auch Mama und Papa raunen und staunen vernehmlich angesichts der beeindruckenden Steinformationen, die sich rechts und links der Straße in den abenteuerlichsten Anordnungen bis in schwindelerregende Höhe auftürmen. Gelegentlich parkt ein Wohnmobil gleich neben oder sogar unter einem Felsen, was meinem Vater den Kommentar entlockt, dass wohl nur absolute Berufsoptimisten Ihr Feriendomizil an einer solchen Stelle Parken.

Die skurrilen Formen der Felsen laden ein, die Phantasie ebenso schweifen zu lassen, wie beim Wolken gucken. Jeder sieht etwas anderes – Mama irgendwann sogar nackte Ärsche. In einem bestimmten Stein sehen allerdings alle das gleiche: King Kongs Monster-Schädel.

Wenige Meilen später lassen wir die eigentümlichen Steine hinter uns und widmen unsere Aufmerksamkeit der beeindruckenden Vegetation – angefangen mir den Joshua Trees. In der Mitte des Parks finden sie sich zu Tausenden. Wie ich anderer Stelle schon einmal sagte, sehen die für mich immer aus wie etwas, das sich nicht entscheiden konnte, ob es Baum, Palme oder Kaktus werden wollte. Und nachdem mir letztes Jahr mal so ein Biest ordentlich in den Hintern gepiekt hat, weíß ich auch: Die sehen zwar lustig aus – aber mit denen ist nicht zu spaßen.

Etwas weiter südlich endet der Bewuchs mit dieser Sorte Baum und wird alsbald abgelöst von etwas, das ich für mich als „Plüschies“ bezeichne. Kakteen, die aus der Ferne sehr flauschig anmuten – bei näherem Hinsehen aber offenbaren, dass sie eigentlich noch stacheligere Bitches sind, als Ihre Kollegen, die dem Park seinen Namen gaben. Plüschie-Park hätte auch irgendwie Scheiße geklungen…..

Das untere Drittel des Parks ist weniger aufregend. Die Straße zieht sich endlos und bald dringt vom Beifahrersitz vernehmliches Schnarchen an mein Ohr. Perfektes Timing. Für ein Schläfchen wird nachher keine Zeit mehr sein. Fox Canyon und Bombay Beach warten auf uns. Dachte ich zumindest da noch.

Denn kaum haben wir den Park durch den südlichen Exit verlassen, empfängt uns der ZONK des Tages. Diesmal unbemannt und in Gestalt einer Lattenkonstruktion, türmt sich vor uns in der Zufahrt zum Canyon eine Straßensperre auf.

Ich traue meinen Augen nicht. Die bittere Erkenntnis nach hektischem und fluchendem gegoogle lautet auch hier: Umfahrung zeitlich nicht drin. Ausweichroute zum Ziel nicht vorhanden.

Ganz kurz aber dafür umso wütender bin ich versucht, diesen neonfarbenen Unheilsverkünder vor meinem Wagen einfach anzuzünden. Das darf doch echt nicht wahr sein! Die beste Route! Der wichtigste aller Stops…. Dahin! Pulverisiert in Sekunden! Schon wieder! Ich kotz im Strahl!!!

Den restlichen Weg nach Palm Springs nehmen wir somit auf dem faden Highway. Schweigend und mürrisch – zumindest was mich betrifft. Über die gewonnene Zeit am Pool kann ich mich gerade nur mäßig freuen. Wäre auch umsonst gewesen, denn das sonst immer sonnige Palm Springs zeigt sich heute diesig unter einer dicken gelben Sandwolke, die über die Berge aus dem Norden hereinzieht.

Da bekommt der Begriff „zähneknirschend“ glatt nochmal eine neue Bedeutung. Toll – gleich zwei Zonks an einem Tag..! An den Pool gehen wir dennoch. Ausgiebig. Abends entschädigt noch ein großartiges Essen bei meinem Lieblings-Mexikaner in der Stadt. Natürlich samt einer großen Michelada – diesem alles in den Schatten stellenden Gebräu aus Bier, Tomatensaft, Limette, Tabasco und Chilli. Danach geht sogar mir wieder ein Lächeln über die von der Schärfe kribbelnden Lippen.

Let´s call it a day.

#yetiwolldecken

#sockenimbettbleibtneausnahme

#countryromantik

#plüschies

#skullrock

#arschelochpapststraßensperre

#ichkotzimstrahl

#zweizonksbrauchtniemand

#zähneknirschendeluxe

Zugegeben – heute war was für Fortgeschrittene, aber trotzdem #MEMORABLE.

Veröffentlicht von neckimessergabel

*underconstruction*

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